Reporter Zeitung 1968

„Alle fünf Tage wird ein Journalist umgebracht“

In den Jahren von 2006 bis 2014 wurden 700 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes getötet. 89 Prozent davon arbeiteten für Printmedien, Radio- oder Fernsehstationen, sechs Prozent waren Online-Journalisten und fünf Prozent waren für mehrere Medien tätig.

Diese Zahlen veröffentlicht der UNESCO-Bericht „World Trends in Freedom of Expression and Media Development – Special Digital Focus 2015“ anlässlich des Internationalen Tags gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten am 2. November. UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova stellt den Bericht an ddiesem Tag in Paris vor.

„Straftaten müssen geahndet werden“

„Durchschnittlich alle fünf Tage wird ein Journalist aufgrund seiner Arbeit umgebracht. Allein im Jahr 2015 wurden bis September über 70 Journalisten weltweit bei der Ausübung ihres Berufes getötet. Diese Straftaten müssen geahndet und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Denn Opfer dieser Verbrechen sind nicht nur die Journalisten selber, sondern auch die gesamte Gesellschaft.

Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten führt allzu häufig zu einer angstgeleiteten Selbstzensur in der Berichterstattung und somit zu weniger verlässlichen Informationen für alle“, sagt Professor Wolfgang Schulz, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Kommunikations- und Informationsfreiheit in Hamburg.

Der Bericht zeigt: In den Jahren 2013 und 2014 wurden 178 Journalisten aufgrund ihrer Arbeit getötet. 64 von ihnen befanden sich in der arabischen Region, die damit 2013/2014 die für Journalisten weltweit gefährlichste Region war.

Zahl der aufgeklärten Modfälle gering

51 Journalisten wurden in Lateinamerika und der Karibik umgebracht, 30 in Asien und der Pazifikregion, 23 in Afrika und zehn in Zentral- und Osteuropa. 2013 waren nur acht Prozent der insgesamt 91 getöteten Journalisten Auslandskorrespondenten. 2014 stieg dieser Anteil schlagartig auf fast 20 Prozent (17 von 87 Fällen).

Zwölf der 17 im Jahr 2014 getöteten Auslandskorrespondenten kamen in Syrien oder der Ukraine ums Leben.

Während weltweit mehr und mehr Staaten Gesetze erlassen und strukturelle Maßnahmen ergreifen, um gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten vorzugehen, bleibt die Zahl der aufgeklärten Mordfälle gering. Nach Informationen der UNESCO wurden im Jahr 2012 nur fünf Prozent der Fälle aufgeklärt. Im Jahr 2014 waren esimmerhin acht Prozent.

Neben der Sicherheit von Journalisten widmet sich der Bericht auch den Themen: Bekämpfung von Hass-Rede im Internet, Schutz journalistischer Quellen im digitalen Zeitalter und die Rolle der Internet-Intermediäre bei der Umsetzung von Menschenrechten.

(Quelle: UNESCO / Foto: Reporter)

gateurope-2015-11-02 00:00:53
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