Armut: Jeder vierte Europäer betroffen

Zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober hat das EU-Statistikamt Eurostat am Freitag Zahlen zur Armut in Europa veröffentlicht. Danach waren im Jahr 2014 122 Millionen Menschen beziehungsweise 24,4 Prozent der Bevölkerung der EU von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, in Deutschland waren es 20,6 Prozent.

In drei Mitgliedstaaten waren mehr als ein Drittel der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht: in Rumänien (40,2 Prozent), Bulgarien (40,1 Prozent) und Griechenland (36,0 Prozent).

Anteil der Armutsgefährdeten nimmt zu

Die niedrigsten Anteile von Personen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren, wurden in der Tschechischen Republik (14,8 Prozent), Schweden (16,9 Prozent), den Niederlanden (17,1 Prozent), in Finnland (17,3 Prozent) und Dänemark (17,8 Prozent) verzeichnet.

17,2 Prozent der Bevölkerung in der EU waren 2014, nach Zahlung von Sozialleistungen, armutsgefährdet. Das bedeutet, dass ihr verfügbares Einkommen unter der jeweiligen nationalen Armutsgefährdungsschwelle lag. Der Anteil der armutsgefährdeten Personen in der EU erhöhte sich sowohl gegenüber 2013 als auch gegenüber 2008.

Die Armutsgefährdungsschwellen spiegeln die tatsächliche Einkommensverteilung in den Ländern wider und unterscheiden sie sich deutlich zwischen den Mitgliedstaaten. In den Mitgliedstaaten, für die Daten verfügbar sind, war mehr als jeder Fünfte armutsgefährdet: in Rumänien (25,4 Prozent), Spanien (22,2 Prozent), Griechenland (22,1 Prozent), Bulgarien (21,8 Prozent) und Lettland (21,2 Prozent).

Neun Prozent leiden unter materieller Deprivation

Die Armutsgefährdungsschwelle lag in Deutschland 2014 für alleinstehende Erwachsene bei 11.840 Euro, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 24.864 Euro – im Vergleich dazu in Frankreich bei 12.746 Euro bzw. 26.766 Euro.

Die niedrigsten Armutsgefährdungsquoten verzeichneten die Tschechische Republik (9,7 Prozent), die Niederlande (11,6 Prozent) und Dänemark (11,9 Prozent).
Knapp 9 Prozent der Bevölkerung litten 2014 unter erheblicher materieller Deprivation. Dies bedeutet, dass sie z. B. nicht in der Lage waren, ihre Rechnungen zu bezahlen, ihre Wohnung angemessen zu beheizen oder eine einwöchige Urlaubsreise zu finanzieren.

Der Anteil der Personen in der EU, die unter erheblicher materieller Deprivation litten, verringerte sich gegenüber 2013 (9,6 Prozent), ist jedoch weiterhin höher als im Jahr 2008 (8,5 Prozent).

Desto älter, desto weniger Erwerb

Mit Hinblick auf den Indikator zur niedrigen Erwerbstätigkeit lebten 11,1 Prozent der Bevölkerung unter 60 Jahren in der EU in Haushalten, in denen die Erwachsenen im vorhergehenden Jahr insgesamt weniger als 20 Prozent ihres Erwerbspotentials ausgeschöpft hatten.

Dieser Anteil ist in der EU seit 2008 kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2014 verzeichneten Griechenland (17,2 Prozent), Spanien (17,1 Prozent) und Belgien (14,6 Prozent) die höchsten Anteile derjenigen, die in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit lebten, während Schweden und Rumänien (je 6,4 Prozent), die Slowakei (7,1 Prozent), Polen (7,3 Prozent) und die Tschechische Republik (7,6 Prozent) von den Mitgliedstaaten, die niedrigsten Anteile registrierten.

Gegenüber 2008 stieg der Anteil der Personen unter 60 Jahren, die in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit leben, in nahezu allen Mitgliedstaaten, außer in Deutschland, Polen und Rumänien.

(Quelle: EU-Aktuell / Foto: GATEUROPE)

gateurope-2015-10-17 11:25:50