Auch leichtere Drohnen bald unter Kontrolle?

Die einen fühlen sich aus der Luft bespitzelt, die anderen fühlen sich gefährdet und tatsächlich ist es schon zu etlichen kritischen Momenten auf Flugplätzen gekommen, als Drohnen “echten” Flugzeugen in die Quere kamen. Das Problem will die EU nun in Angriff nehmen: Bis 2019 sollen alle Drohnen und deren Betreiber registriert, elektronisch identifiziert und ihr Betrieb räumlich eingegrenzt werden können. Der neue Gesetzes-Vorschlag umfasst Drohnen mit einem Gewicht bis zu 150 kg in einer Höhe von bis zu 150 m reichenden Luftraum („U-Space“). Schwerere Drohnen unterliegen bereits geltendem EU-Recht.

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc sagte: „Drohnen bedeuten Innovation, neue Dienste für Bürgerinnen und Bürger, neue Geschäftsmodelle und ein enormes Potenzial für Wirtschaftswachstum. Wir müssen als EU das Steuer in der Hand haben und dafür sorgen, dass unser Markt für Drohnendienste bis 2019 startklar ist. Die EU muss wegweisend sein und für diesen Markt geeignete Rahmenbedingungen schaffen, damit zentrale Wirtschaftssektoren von ihm profitieren können und er so expandieren kann.“

Mit dem Konzeptpapier will die Kommission ihre ehrgeizige Luftfahrtstrategie weiter vorantreiben, damit das wirtschaftliche Potenzial von Drohnen voll ausgeschöpft werden kann.

Der Markt für Drohnendienste dürfte deutlich wachsen. Einer jüngsten Studie zufolge wird der Drohnenmarkt weltweit bis 2020 um 42 Prozent in der Präzisionslandwirtschaft, um 26 Prozent in der Medien- und Unterhaltungsbranche, um 36 Prozent in der Kontrolle und Überwachung von Infrastrukturen und um 30 Prozent für Freizeitaktivitäten anwachsen.

Das Konzeptpapier enthält grundlegende Anforderungen an die Nutzung des „U-Space“: In niedrigen Höhen wird die Sicherheit der der herkömmlichen bemannten Luftfahrt in nichts nachstehen. Das Konzept sieht den Aufbau eines dem Flugverkehrsmanagement für die bemannte Luftfahrt vergleichbaren Systems vor. Automatisiert: Das System wird die hoch automatisierten bzw. autonomen Drohnen mit Daten versorgen, damit sie sicher fliegen sowie Hindernisse bzw. Kollisionen vermeiden können. Startklar bis 2019: Dies gilt für die Basisdienste wie Registrierung, elektronische Identifizierung und Geo-Fencing. Für die Zukunft müssen jedoch noch weitere U-Space-Dienste und entsprechende Normen entwickelt werden.
Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) arbeitet gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und der Branche unionsweit geltende Sicherheitsvorschriften aus, die wirksam sein und im Verhältnis zum Betriebsrisiko stehen sollen. Mit diesen Vorschriften wird die EU-Grundverordnung über die Flugsicherheit umgesetzt, die vom Europäischen Parlament und dem Rat (d. h. von den EU-Mitgliedstaaten) voraussichtlich in den nächsten Monaten angenommen wird.

Die Kommission wird über das gemeinsame Unternehmen SESAR eine Reihe von Drohnen-Projekten fördern, die sich vor allem mit der Integration von Drohnen in das Luftfahrtsystem befassen.

Schließlich wird eine Gruppe Sachverständiger eingesetzt, die sich mit der künftigen Entwicklung der europäischen Drohnenpolitik befassen soll.

Das geltende EU-Recht deckt Drohnen mit einem Gewicht ab 150 kg ab, für leichtere Drohnen sind die Mitgliedstaaten zuständig. Wenngleich mit nationalen Vorschriften immer mehr Erkenntnisse gewonnen werden, führt die Uneinheitlichkeit dieser Vorschriften zu einer Fragmentierung des EU-Binnenmarkts. Dies behindert die Entwicklung neuer Produkte, die reibungslose Einführung von Techniken und schafft auch Sicherheitsrisiken. Daher hat die Kommission im Dezember 2015 im Rahmen ihrer Luftfahrtstrategie vorgeschlagen, unionsweite Grundlagen für Drohnen zu schaffen. Dies erfordert einen Rechtsrahmen, Normen und die sichere Integration von Drohnen in den Luftraum – hierauf bezieht sich das heutige Konzeptpapier.

Das Konzeptpapier hat das gemeinsame Unternehmen für die Forschung zum Flugverkehrsmanagementsystem für den einheitlichen europäischen Luftraum (SESAR) im Auftrag der Europäischen Kommission ausgearbeitet. Das gemeinsame Unternehmen SESAR ist eine europäische öffentlich-private Partnerschaft, die sich mit der Verwaltung und der Koordinierung des Flugverkehrsmanagements befasst. Das von der Europäischen Union und Eurocontrol gegründete gemeinsame Unternehmen SESAR hat 19 Mitglieder, die zusammen mit ihren Partnern und angeschlossenen Verbänden über 100 in Europa und weltweit tätige Unternehmen repräsentieren.

(Quelle: EU-Kommission / Foto: Drone America)

gateurope.de_2017-06-18 12:32:18