Ausstellungsjahr 2016: Museen der Stadt Köln

Von „Fernand Léger“ bis zur „Magie der Zeichen“, vom „Zerbrechlichen Luxus“ bis zu „120 Jahre Kölner Filmgeschichte“, von „Design, Revolte und Regenbogen“ bis zu „Wir nennen es Ludwig“: Wir geben Ihnen hier eine Übersicht über die Ausstellungshöhepunkte die Kölner Museen 2016.

9. April bis 3. Juli 2016 | Museum Ludwig:

Fernand Léger. Malerei im Raum

In seinem Jubiläumsjahr (40 Jahre seit Gründung und 30 Jahre im Gebäude zwischen Dom, Rhein und Hauptbahnhof) untersucht das Museum Ludwig mit dieser Ausstellung Légers malerische Auseinandersetzung mit Architektur und Raum. Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Wandgemälde Les Plongeurs (Die Taucher / 1942), das der französische Künstler für das Privathaus des New Yorker Architekten Wallace K. Harrison konzipierte und das Peter und Irene Ludwig vor 30 Jahren speziell für den neuen Museumsbau in Köln erwarben.

Wenige Künstler tauschten sich so intensiv mit Architekten aus wie Léger, der gelernter Architekturzeichner war. Die Auseinandersetzung mit der Malerei jenseits des Tafelbildes im architektonischen und gesellschaftlichen Raum war für den Künstler von höchster Bedeut ung. Eine Vielzahl von Werken zeigt diese Auseinandersetzung im Alltag: von den ersten Filmen, Bühnenbildern und Kostümentwürfen für die Ballets suédois Anfang der 1920er Jahre über die Kirchenfenster d’Audincourt bis hin zu den Wandgemälden der 1950er Jahre im UN-Gebäude in New York.

Es werden wenig bekannte Skizzen für Wandmalereien und Projekte gezeigt sowie Gemälde, Skulpturen und zahlreiche Dokumente. Die Ausstellung richtet damit einen neuen Blick auf einen der vielfältigsten Künstler der Moderne, der nach einer Synthese der Künste strebte.

22. April bis 21. August 2016 | NS-Dokumentationszentrum:

Fritz Bauer – Der Staatsanwalt

Fritz Bauer gehört zu den juristisch einflussreichsten jüdischen Remigranten im Nachkriegsdeutschland. Als hessischer Generalstaatsanwalt, der den Frankfurter Auschwitz-Prozess auf den Weg brachte, hat er bundesrepublikanische Geschichte geschrieben. Bauers Leben blieb nicht unberührt von den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung dokumentiert seine Lebensgeschichte im Spiegel der historischen Ereignisse, die ihn auch persönlich betrafen. Als Jude blieb Fritz Bauer vom Antisemitismus nicht verschont. Als Sozialdemokrat glaubte er dennoch an den Fortschritt, dann trieben ihn die Nationalsozialisten für 13 Jahre ins Exil.

Als Generalstaatsanwalt hat er das überkommene Bild dieses Amtes revolutioniert. Nicht der Gehorsam der Bürger gegenüber dem Staat stand im Vordergrund. Bauer verstand sich stets al s Vertreter der Menschenwürde vor allem auch gegen staatliche Gewalt – ein großer Schritt auf dem Weg der Demokratisierung in der frühen Bundesrepublik.

23. April bis 17. Juli 2016 | Museum für Ostasiatische Kunst:

Magie der Zeichen – 3000 Jahre chinesische Schriftkunst

Die Ausstellung „Magie der Zeichen“ präsentiert zum ersten Mal chinesische Schriftkunstwerke aus fünf Jahrtausenden und untersucht die vielfältigen Bedeutungsebenen von Kalligraphie und Schrift. Sie spannt einen Bogen von den frühesten Zeugnissen des 3. Jahrtausends v. Chr. bis zur zeitgenössischen Kunst. Über 100 Werke renommierter Leihgeber, etwa der Bibliothèque Nationale de France, des Museum Rietberg Zürich oder der Sammlung M+ in Hong Kong werden in sechs Themengruppen vorgestellt.

Die Objekte erzählen von Botschaften an den Himmel und von Machtdemonstrationen auf Erden, von religiöser Hingabe und individueller Ausdruckskraft. Mythische Kulturheroen und historische Persönlichkeiten, tugendhafte Beamte und aufmüpfige Exzentriker treten als Schreibkünstler auf. V on weinseligen Dichtertreffen und poetischen Naturerlebnissen ist die Rede, aber auch von der Rolle der Kalligraphie für die moralische Kultivierung und politische Propaganda in China.

Die Ausstellung verdeutlicht den einzigartigen Stellenwert, den die chinesische Schriftkultur bis heute in China besitzt. Sie zeigt aber auch ihre aktuelle Rezeption in der westlichen Kultur und der internationalen Kunstszene. Die Schau wurde vom Museum Rietberg in Zürich konzipiert. In Köln wird die Ausstellung um bedeutende Werke aus dem Fundus des Kölner Museums für Ostasiatische Kunst ergänzt.

3. Juni bis 13. November 2016 | Römisch-Germanisches Museum:

Zerbrechlicher Luxus. Köln – ein Zentrum antiker Glaskunst

Den Kern der Ausstellung bildet die beeindruckende Glassammlung des Römisch- Germanischen Museums, die unzählige, oft noch nicht ausgestellter Glasfunde aus sieben Jahrhunderten (1. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) umfasst. Außerdem zeigt das Museum herausragende Gläser, die im 18. oder 19. Jahrhundert in Köln gefunden, von den Findern aber veräußert wurden und nun in den Sammlungen großer Museen bewahrt werden – in München, London oder New York.

Die Ausstellung berichtet nicht nur von der Formenvielfalt und der Kunstfertigkeit römischer und frühmittelalterlicher Glashandwerker. Sie zeigt Glas auch im Kontext römischer und fränkischer Bestattungssitten und Glaubensvorstellungen, denn vor allem dem Brauch, Verstorbenen Glasgefäße ins Grab zu geben, verdanken wir, das s die hochempfindlichen Gläser der Antike unversehrt Jahrtausende überstanden haben.

Die Ausstellung widmet sich darüber den Rohmaterialien und technischen Fertigkeiten der antiken Glasmacher. Ein Ausblick auf die nachantike Entwicklung von Glasgefäßen beschließt die Präsentation.

4. Juni bis 6. November 2016 | Kölnisches Stadtmuseum:

GROSSES KINO! 120 Jahre Kölner Filmgeschichte

Eine Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums mit Köln im Film e.V.

Das Kölnische Stadtmuseum erinnert im Sommer 2016 mit einer großen Ausstellung an die erste Filmvorführung auf deutschem Boden, die am 20. April 1896 in Köln stattfand.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die 120-jährige Geschichte der Kölner Kinos. Sie erzählt vom ersten Vorführraum im Haus am Augustinerplatz 12, von den prunkvollen Palästen in der Innenstadt, den Vorortkinos, dem Kino-Boom der 1950er Jahre, den Schachtelkinos der 1970er Jahre und der heutigen Mischung aus Multiplex- und Programmkinos.

Neben der Entwicklung der Kinos behandelt die Ausstellung das „Erleben“ und „Fühlen“ im Kino: die optischen Reize, die Geräusche und Gerüche. Auch mit Themen wie „Licht & Schatten“, „Ton & Bild“, „Stars & Zuschauer“, „Das Kino als sozialer Ort & Arbeitsplatz“ weist die Präsentation weit über den Kölner Kontext hinaus. Historische optische Geräte lassen die Vorgeschichte des Kinos wieder lebendig werden.

26. August bis 11. Dezember 2016 | Museum für Angewandte Kunst Köln:

Willy Fleckhaus – Design, Revolte, Regenbogen

Nicht ohne Grund nannte man Willy Fleckhaus (1925-1983) den „teuersten Bleistift Deutschlands“. Wie kein Zweiter hat er die visuelle Kultur der sechziger, siebziger und achtziger Jahre geprägt. Willy Fleckhaus verschmolz die Ratio der Schweizer Grafik mit der Phantasie des amerikanischen Editorial Design und wurde damit international zum Vorbild für wenigstens eine Generation von Zeitschriften- und Buchgestaltern, Werbeleuten und Fotografen. Konkret verbinden sich mit dem Namen Willy Fleckhaus Zeitschriften wie das legendäre, in Köln gegründete Jugendmagazin „twen“ (1959-1971), die Illustrierte

„Quick“ (in ihren guten Jahren) oder das Supplement der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Buchreihen wie die in den Farben des Regenbogens gehaltene „edition suhrkamp“, Ausstellungen zur Kölner photokina oder das Erscheinungsbild des WDR.

Das MAKK präsentiert mit dieser Ausstellung die erste große museale Würdigung von Fleckhaus’ Schaffen. Gezeigt werden Fotografien, Illustrationen, Bücher, Buchreihen und Plakate.

27. August 2016 bis 8. Januar 2017 | Museum Ludwig:

Wir nennen es Ludwig. Das Museum Ludwig wird 40!

Die Gruppenausstellung „Wir nennen es Ludwig“ stellt den Höhepunkt im Jubiläumsjahr des Museum Ludwig 2016 dar. Drei Jubiläen gilt es zu begehen: 1946 hatte Josef Haubrich seine Sammlung mit Werken der klassischen Moderne der Stadt Köln geschenkt und damit den Grundstein für ein Museum gelegt, 1976 unterzeichneten Peter und Irene Ludwig ihren Schenkungsvertrag mit rund 350 Werken zeitgenössischer Kunst und 1986 konnte der Neubau des Museums eröffnet werden. Das Thema dieser breit angelegten Schau ist die Institution selbst.

In der gemeinschaftlichen, mit dem Direktor und allen Kuratoren des Hauses konzipierten Ausstellung sind internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, gemeinsam mit der Institution zu reflektieren, was das Museum Ludwig ist. Rund 25 Künstlerinnen und Künst ler sind eingeladen, neue Arbeiten für diese Ausstellung zu entwickeln beziehungsweise mit dem Team gemeinsam Werke auszusuchen, die sich dezidiert auf das Museum Ludwig beziehen, oder Räume mit dem Sammlungsbestand des Museums einzurichten. An dieser ambitionierten Ausstellung nehmen sowohl Künstler aus Europa und Nordamerika (z.B. Maria Eichhorn, Hans Haacke) als auch aus Afrika (z.B. Georges Adéagbo, Bodys Isek Kingelez), Asien (Ei Arakawa, Pratchaya Phinthong) und Lateinamerika (Minerva Cuevas, Diango Hernández) teil.

Damit unterstreicht das Museum Ludwig einmal mehr seine postkoloniale Ausrichtung, die sich schon in der Sammlungstätigkeit von Peter und Irene Ludwig abzeichnete.

16. September 2016 bis März 2017 | NS-Dokumentationszentrum:

„Die Hitlerjugend ist das Volk von morgen“ – HJ und BDM im Rheinland und in Westfalen 1930-1945

Die Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel sowie ihre Untergliederungen waren – noch vor der NSDAP selbst – die mitgliederstärksten Parteiorganisationen in ihrer Zeit in Deutschland. Die sogenannte „Staatsjugend“ war als „Volk von morgen“ sowohl ein wichtiger Adressat der NS-Propaganda als auch eine zentrale Komponente der NS- Innenpolitik. Die Ausstellung präsentiert einen neuen Blick auf Geschichte, Wirken und Einfluss der Hitlerjugend.

Im Fokus des Interesses stehen der Alltag der HJ und des BDM vor Ort und wie sich der von der Reichsführung formulierte Anspruch und die in den Dörfern und Städten gelebte Wirklichkeit zueinander verhielten.

In der Ausstellung werden neben den bekannten Propagandabildern marschierender HJ- Kolonnen vor allem Fotos, Dokumente und Exponate, die von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zur Verfügung gestellt wurden, präsentiert.

23. September 2016 bis 29. Januar 2017 | Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud:

Von Dürer bis van Gogh. Sammlung Bührle trifft Wallraf

„Monets Zauber hat mich nie losgelassen, Cézanne, Degas, Manet, Renoir wollte ich in meinem Umkreis an meinen Wänden haben“, so blickte Emil Bührle kurz vor seinem plötzlichen Tod im November 1956 auf den Beginn seiner Sammelleidenschaft zurück. In nur wenigen Jahren war es ihm gelungen, eine erstaunliche Vielzahl von herausragenden Kunstwerken aus den bedeutendsten Epochen von Gotik bis Kubismus zusammenzutragen.

Seine große Liebe aber galt immer den Impressionisten und hier trafen und treffen sich seine Interessen und die des Wallraf-Richartz-Museums. Noch in den 1950er Jahren konkurrierten beide Parteien auf dem Kunstmarkt um die besten Bilder und heute, sechzig Jahre nach Bührles Tod, lässt das Kölner Museum rund 70 Meisterwerke aus beiden Sammlungen in einen einzigartigen Dialog treten . In „Von Dürer bis van Gogh – Sammlung Bührle trifft Wallraf“ kommen neben den bereits genannten französischen Künstlern des 19. Jahrhunderts auch Meister wie Dürer, Cuyp, Canaletto, Delacroix, Pissarro, Gauguin, van Gogh und Picasso zusammen. Die Ausstellung ist ausschließlich in Köln zu sehen.

24. September bis 11. Dezember 2016 | Römisch-Germanisches Museum:

Via Appia Antica – Fotografien von Martin Claßen

Die 312 vor Christus von Konsul Appius Claudius in Auftrag gegebene und nach ihrer Fertigstellung 540 Kilometer lange Fernstraße verband Rom mit dem antiken Brindisi (Brundisium) an der ‚Straße von Orento’, der Meerenge zwischen Apulien, Albanien bzw. Nordgriechenland. Dort erreichte die Via Appia Antica den bedeutenden Mittelmeerhafen Brindisi, über den der Warenaustausch zwischen Italien, Griechenland und Kleinasien abgewickelt wurde. Zugleich war die Via Appia Antica von hoher militärischer Bedeutung. Zu trauriger Berühmtheit gelangte sie durch die Niederschlagung des Spartacus-Aufstands 71 vor Christus.

Auch die vor den Stadtmauern Roms errichteten antiken Grabbauten sind stumme Zeugen römischer Geschichte. Der Kölner Fotograf Martin Claßen hat die Via Appia, die heute ganz profan Superstrad a 7 heißt, mit seiner analogen Kamera bereist und Stationen der Straße in seinen beeindruckenden Schwarz-Weiß- und Farb-Fotografien aus seinem ganz eigenen Blickwinkel heraus festgehalten. Seine Aufnahmen zeugen nicht nur von den technischen Errungenschaften des römischen Imperiums, sondern auch vom Umgang der Moderne mit der eigenen Geschichte. Beides – Antike und Moderne – sind an der Via Appia Antica untrennbar und in einzigartiger Weise miteinander verwoben.

7. Oktober 2017 bis 28. Januar 2018 | Museum Schnütgen:

Expedition Mittelalter. Das ganze Museum Schnütgen.

Das Museum Schnütgen verfügt über eine einzigartige Sammlung mittelalterlicher Kunst. Hauptwerke wie das Kruzifix aus St. Georg oder die Parlerbüste sind dauerhaft in den Räumen des Museums zu sehen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kunstwerke, die – oft aus konservatorischen Gründen – nicht permanent gezeigt werden können. Ab dem 7. Oktober lädt das Museum Schnütgen mit der großen Sonderausstellung zu einer Entdeckungstour ein, noch nie oder bislang selten präsentierte Werke und besondere Objektgruppen aus den umfangreichen Beständen zu erkunden.

Die Bandbreite der Exponate reicht von lichtempfindlichen mittelalterlichen Stoffen und Gewändern über kostbare Goldschmiedekunst, Glasmalerei bis hin zu Skulpturen aus Ton, Stein und Holz. Die gattungsübergreifen de Präsentation wird durch eine Zusammenstellung der Werke nach unterschiedlichen Kriterien verschiedene Wege bieten, den Facettenreichtum mittelalterlicher Kunst zu erleben. Die Rezeption des Mittelalters bis in unsere heutige Zeit und seine Bedeutung für die Geschichte des Hauses werden ebenfalls Aspekte der Ausstellung und des Begleitprogramms sein.

8. Oktober 2016 bis 9. April 2017 | Rautenstrauch-Joest-Museum:

Pilgern – Sehnsucht nach Glück?

Pilgern liegt im Trend und das schon seit vielen Jahrhunderten. Bis heute besuchen Millionen Menschen jedes Jahr Pilgerstätten auf der ganzen Welt – zu Fuß, per Bus oder im Flugzeug. Was bringt sie auf den Weg? Ihr Glaube, die Suche nach Erleuchtung, Heilung oder Glück, die Hoffnung auf außergewöhnliche Reiseerlebnisse oder der Wunsch nach Entschleunigung? Die Ausstellung zeigt ausgewählte Wallfahrtsorte und Pilgerwege – darunter so bekannte wie Jerusalem, Mekka oder den Jakobsweg, aber auch überraschende Orte wie die geheimnisvollen Megalithen von Stonehenge und das Grab von Elvis Presley.

Auf einer Fläche von rund 1.400 Quadratmetern veranschaulichen hochkarätige Exponate aus allen Kontinenten die Faszination des Pilgerns. Interaktive Stationen, Live-Schaltungen aus den Pilgerorten und Erz ählungen von Pilgern laden die Besucher ein, sich auf »Pilgerreisen in alle Glaubensrichtungen« zu begeben – ein sinnliches Erlebnis!

(Quelle: Museen der Stadt Köln / Foto: GATEUROPE)

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