Berlin: „1917. Revolution. Russland und Europa“

Aus Anlass des 100. Jahrestages der russischen Revolution zeigt das Deutsche Historische Museum in Berlin vom 18. Oktober 2017 bis 15. April 2018 die Sonderausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“. Die revolutionären Ereignisse in Russland von 1917 bis 1922 führten zu einem Einschnitt, der das gesamte 20. Jahrhundert in Europa prägte und bis heute nachwirkt.

Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum nimmt die komplexen revolutionären Vorgänge in Russland in den Blick. Am Beispiel ausgewählter europäischer Staaten geht sie der Frage nach, welche Reaktionen und Gegenreaktionen der politische und gesellschaftliche Umsturz bis in die 1920er Jahre des 20. Jahrhunderts hervorgerufen hat.

Zu sehen sind über 500 Exponate von mehr als 80 Leihgebern aus Russland, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, Großbritannien und Frankreich. Darunter befindet sich unter anderem auch das Gemälde „Feierliche Eröffnung des II. Kongresses der Komintern“ (unser Bild oben) von Isaak I. Brodski aus dem Staatlichen Historischen Museum, Moskau.

Der Sturz der Romanow‐Dynastie in der Februarrevolution 1917 führte zum Ende der jahrhundertelangen Autokratie in Russland. Mit der Machtübernahme Lenins und der Bolschewiki in der Oktoberrevolution begannen die Revolutionäre mit dem Aufbau des ersten kommunistischen Staates. In dem anschließenden Bürgerkrieg von 1918 bis 1922 bekämpften sich „Rote“ und „Weiße“, Befürworter und Gegner der Revolution, erbittert und unter Einsatz brutaler Gewalt.

Die revolutionäre Periode endete erst am 31. Dezember 1922 mit der Gründung der Sowjetunion und hatte tiefgreifende Umwälzungen für das Land zur Folge. Dabei waren das emanzipatorische und künstlerische Potential der Revolution stets untrennbar mit Terror, Gewalt und Repression verbunden.

Diese Ambivalenz gilt auch für die Auswirkungen in Europa: Faszination und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bilden ebenso wie Angst und Abwehr die Pole. Zwischen ihnen oszillierten die politische Reaktionen, aber auch verschiedene Migrationswege.

Mit der Russische Revolution und dem Herrschaftsantritt der Bolschewiki 1917 wurden zahlreiche gesellschaftliche Gruppen zu Opfern von Verfolgung, Enteignung und Gewalt. Mehr als eine Millionen Menschen gingen ins Exil. Mit der Gründung der Sowjetunion wurden sie zu Staatenlosen. In der Ausstellung zeigt das Deutsche Historische Museum unter anderem auch den Nansen‐Pass der russischen Emigrantin Tamara Matul, Lebensgefährtin von Marlene Dietrichs Ehemann, und erzählt die Entstehung eines Passes für Staatenlose.

Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation des Deutschen Historischen Museums LINK mit dem Schweizerischen Nationalmuseum. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog. In Kooperation mit dem Schweizerischen Nationalmuseum ist bereits ein Essayband erschienen.

(Quelle: Deutsches Historisches Museum / Foto: Feierliche Eröffnung des II. Kongresses der Komintern,Isaak I. Brodski, 1924 © Staatliches Historisches Museum, Moskau)

gateurope.de_2017-09-19 21:09:50