Chamisso-Preis-2016 an Wolf und Kinsky

Chamisso-Preis 2016 an Esther Kinsky und Uljana Wolf

Die Schriftstellerinnen und Übersetzerinnen Esther Kinsky (rechtes Bild) und Uljana Wolf (linkes Bild) erhalten beide den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung 2016. Der Preis wird im Jahr 2017 zum letzten Mal vergeben, teilte die Stiftung im September 2016 mit.

Esther Kinsky wird für ihr bisheriges Gesamtwerk geehrt, insbesondere für ihren Roman „Am Fluss“ (Matthes & Seitz 2014). Mit ihrem Werk habe sie sich „als sprachsensible Beobachterin menschlicher Existenz im 21. Jahrhundert erwiesen“, so die Jury.

Uljana Wolf erhält den Chamisso-Preis für ihr bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für ihren Lyrikband „Meine schönste Lengevitch“ (kookbooks 2013). „Ihre Annäherungen an das Fremde durch spielerische Reflexion sprachlich vermittelter Realität sind gelungene Beispiele für eine zukunftsweisende kosmopolitische Literatur“, urteilt die Jury.

„Das literarische Werk der beiden Autorinnen ist so eindrucksvoll, dass sich die Jury in diesem Jahr für zwei gleichberechtigte Hauptpreisträger entschieden hat“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Wir freuen uns daher sehr, dass wir mit Esther Kinsky und Uljana Wolf zwei herausragende Schriftstellerinnen ehren dürfen.“

Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung herausragende auf Deutsch schreibende Autoren, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. Die Preisträger verbindet zudem ein außergewöhnlicher, die deutsche Literatur bereichernder Umgang mit Sprache. Damit ist der Preis der einzige seiner Art in Deutschland. 2016 wird er zum 32. Mal verliehen.

Esther Kinsky, geboren 1956 in Engelskirchen, lebt in Berlin und in Battonya/ Ungarn. Sie ist Schriftstellerin und Übersetzerin. In ihrem Essayband „Fremdsprechen“ (2013) reflektiert sie das Verhältnis von Texten und ihren Übersetzungen. Seit 2010 sind drei Gedichtbände erschienen: „die ungerührte schrift des jahrs“ (2010), „Aufbruch nach Patagonien“ (2012) und „Naturschutzgebiet“ (2013).

Zu ihren Romanen gehören „Sommerfrische“ (2010) und „Banatsko“ (2014) sowie „Am Fluss“ (2014), wofür sie mit dem Kranichsteiner Literaturpreis und dem Preis der SWR-Bestenliste ausgezeichnet worden ist. Den Chamisso-Preis erhält Esther Kinsky für ihr bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für ihren Roman „Am Fluss“.

In der Begründung der Jury heißt es, Esther Kinsky fasse „die Gefährdungen und die Schönheit eines durch und durch interkulturell geprägten Daseins in betörende Sprachbilder. In meisterhafter poetischer Prosa entwirft ihr Roman ‚Am Fluss‘ merkwürdige Landschaften am Rand des Wirklichen, die immer auch prekäre seelische Befindlichkeiten heutigen Lebens spiegeln.“

Uljana Wolf, geboren 1979 in Berlin, lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Berlin und New York. 2005 erschien ihr Gedichtband „kochanie ich habe brot gekauft“, 2009 folgte „falsche freunde“ und 2012, gemeinsam mit Christian Hawkey, die Sonett-Ausstreichungen „Sonne From Ort“. Daneben veröffentlichte Uljana Wolf den Essay „BOX OFFICE“ (2010) und mehrere Lyrikübersetzungen.

Für ihre literarischen Arbeiten und Übersetzungen erhielt sie zahlreiche Preise, darunter den Peter-Huchel-Preis und den Dresdner Lyrikpreis. Uljana Wolf wird mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2016 für ihr bisheriges Gesamtwerk geehrt, insbesondere für ihren Gedichtband „Meine schönste Lengevitch“ (2013).

„Als Dichterin, Herausgeberin und Übersetzerin ist Uljana Wolf eine ungewöhnlich aufmerksame Grenzgängerin zwischen den Kulturen“, schreibt die Jury. „Die in ihrem Gedichtband ‚Meine schönste Lengevitch‘ versammelten Prosapoeme wirbeln verschiedene Sprachen phantasievoll durcheinander und stellen damit scheinbar eindeutige Identitäten produktiv in Frage.“

Die Juroren des Chamisso-Preises 2016 sind: Wolfgang Herles (Literaturkritiker), Michael Krüger (Schriftsteller und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste), Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts), Wiebke Porombka (Literaturkritikerin) Denis Scheck (Literaturkritiker), Insa Wilke (Literaturkritikerin) und Feridun Zaimoglu (Schriftsteller und Chamisso-Preisträger 2005).

Die Preisverleihung fand am 3. März 2016 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz statt. Am 4. März lasen die Preisträgerinnen im Literaturhaus München aus ihren Werken.

Aktualisierung vom 23. September 2016: Stuttgart, 20. September 2016 – Die Robert Bosch Stiftung wird im Jahr 2017 den Adelbert-von-Chamisso-Preis zum letzten Mal vergeben. Die Werke der ausgezeichneten Autoren, auf Deutsch schreibende Schriftsteller mit Migrationsgeschichte, sind heute selbstverständlicher und unverzichtbarer Bestandteil deutscher Gegenwartsliteratur. Damit hat der Preis seine Zielsetzung erreicht, so die Pressemitteilung der Robert Bosch Stiftung.

Der Chamisso-Preis wurde 1985 ins Leben gerufen, um die „Gastarbeiterliteratur“ stärker in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken und die Autoren in die deutsche Literaturszene einzubinden. In den vergangenen 32 Jahren hat die Stiftung insgesamt 75 Schriftsteller ausgezeichnet, darunter bekannte Autoren wie Feridun Zaimoglu, György Dalos, Yoko Tawada, Terézia Mora, Ilija Trojanow und José F. A. Oliver.

„Autoren mit Migrationsgeschichte zählen heute selbstverständlich zu den Favoriten für die meisten der über 300 Literaturpreise in Deutschland. Das belegen die Auszeichnungen zahlreicher Chamisso-Preisträger mit anderen Literaturpreisen wie dem Deutschen Buchpreis“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Viele dieser Autoren wollen heute nur für ihre literarischen Leistungen gewürdigt werden, und nicht wegen ihres biografischen Hintergrunds.“

(Quelle: Robert Bosch Stiftung / Fotos: Robert Bosch Stiftung/Kai Nedden/Yves Noir)

gateurope.de-2016-09-23 13:00:03