Chamisso-Preis an: Sherko Fatah, Olga Grjasnowa, Martin Kordić

Sherko Fatah (Bild oben) erhielt den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015 für sein bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für seinen jüngsten Roman „Der letzte Ort“ (Luchterhand 2014), in dem er von der Entführung eines Deutschen und seines arabischen Übersetzers im Irak erzählt.

Darin habe Sherko Fatah „der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ein neues und hochaktuelles Themenfeld erschlossen“, erklärt die Jury. Die diesjährigen Förderpreise in Höhe von jeweils 7.000 Euro erhielten Olga Grjasnowa für ihren zweiten Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ (Hanser 2014) sowie Martin Kordić für seinen Debütroman „Wie ich mir das Glück vorstelle“ (ebd. 2014).

Bereichernder Umgang mit Sprache

Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, der järlich verliehen wird,  ehrt die Robert Bosch Stiftung herausragende auf Deutsch schreibende Autoren, deren Werk von einem Kulturwechsel geprägt ist. Die Preisträger verbindet zudem ein außergewöhnlicher, die deutsche Literatur bereichernder Umgang mit Sprache. Damit ist der Preis der einzige seiner Art in Deutschland. 2015 wird er zum 31. Mal verliehen.

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. Er wuchs in der DDR auf, 1975 siedelte er mit seiner Familie nach West-Berlin über. Dort studierte er Philosophie und Kunstgeschichte. Sein erzählerisches Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015 erhielt Sherko Fatah für sein bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für seinen jüngsten Roman „Der letzte Ort“.

“Schonungslose Darstellung von Krieg und Terror”

„Seine Bücher bereichern das interkulturelle literarische Schreiben durch ihre schonungslose Darstellung von Krieg und Terror“, heißt es in der Begründung der Jury. In ihrer Laudatio betonte die Literaturkritikerin Sigrid Löffler: „Sherko Fatah schreibt nicht als Journalist und Reporter, sondern als großer Erzähler mit einer hellwachen Wahrnehmung für die kulturellen Brüche zwischen Ost und West und für all die Widersprüche, Ambivalenzen und Ungleichzeitigkeiten in dieser Krisenregion.“

Olga Grjasnowa
Olga Grjasnowa

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan, wuchs im Kaukasus auf. Längere Aufenthalte in Polen, Russland und Israel folgten. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Derzeit studiert sie Tanzwissenschaften an der FU Berlin. 2011 erhielt sie das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung für die Recherche zu ihrem ersten Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ (2012).

Auf ihr Debüt folgte 2014 der Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“. Dazu die Jury: „Der lakonisch-coole Ton der Romane ist von hinreißender und vollkommen eigenständiger Faszinationskraft,“ „Diese transkulturelle Literatur ist hochaktuell in einer Zeit, in der sich durch steigende Zuwanderung das Selbstverständnis einer Gesellschaft verändern muss“, sagte Laudatorin Dorothea Westphal, Literaturredakteurin bei Deutschlandradio Kultur.

Martin Kordic
Martin Kordic

Martin Kordić, 1983 in Celle geboren, arbeitet als Lektor in Köln. Er studierte am Institut für Literarisches Schreiben der Universität Hildesheim und an der Universität Zagreb. Über seinen Debütroman „Wie ich mir das Glück vorstelle“ urteilt die Jury: „In schnell wechselnden Fragmenten erzählt Martin Kordić – mal aus der Perspektive des seit seiner Geburt stark behinderten bosnischen Jungen Viktor, mal in der dritten Person – die Schmerzensgeschichte eines Kindes, das nie etwas anderes kennengelernt hat als die unendliche Grausamkeit des Krieges.

Viktors vermeintlich naive, bisweilen märchenhafte Sprache steht in krassem Gegensatz zu den oft extrem inhumanen Geschehnissen, von denen er berichtet. Diese behutsame poetische Sprache macht die literarische Besonderheit des Romans aus.“

“Erzählen wird zum Glück”

Richard Kämmerlings, Literaturredakteur der Tageszeitung DIE WELT, unterstrich in seiner Laudatio: „Martin Kordićs Debütroman führt in vollendeter Weise vor, wie das Erzählen selbst zum höchsten, weil einzig unvergänglichen Glück wird.“

Die Juroren des Adelbert-von-Chamisso-Preises 2015 waren: Gregor Dotzauer (Literaturkritiker), Wolfgang Herles (Literaturkritiker), Michael Krüger (Schriftsteller und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste), Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts), Denis Scheck (Literaturkritiker), Dorothea Westphal (Literaturkritikerin) und Feridun Zaimoglu (Schriftsteller und Chamisso-Preisträger 2005).

Die Preisverleihung fand am 5. März 2015 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz statt.

(Quelle + Fotos: Robert-Bosch-Stiftung)

gateurope-2015-01-25 17:15:29