Die Skizzenbücher des Paul Cézanne

Das Kunstmuseum Basel zeigt eine Ausstellung mit Werken von Paul Cézanne, die eine öffentlich wenig bekannte Seite des Malers aufblättern: Jene der Skizzen und der Vorstudien: Die aufgelösten fünf verschiedenen Skizzenbücher erlauben einen Blick über die Schulter des Künstlers bei der Entstehung seiner Werke.“Der verborgene Cézanne. Vom Skizzenbuch zur Leinwand“ heisst die Ausstellung im Neubau des Kunstmuseums Basel, die noch bis zum 24. September 2017 zu sehen ist.

Bereits 1934 und 1935 erwarb das Kunstmuseum Basel vom Schweizer Kunsthändler Werner Feuz zwei grosse Zeichnungskonvolute mit insgesamt 141 Werken aus dem Nachlass Paul Cézannes. Das Kunstmuseum Basel war damit die erste Institution, die die Bedeutung des damals weitgehend unbekannten zeichnerischen Œuvres erkannte und die weitere Verstreuung dieser Skizzenbuchkonvolute verhinderte.

Cézannes Zeichnungen wurden im Gegensatz zu seinen Aquarellen und Gemälden wegen ihrer Fragilität nur selten ausgestellt und sind auch überraschend wenig erforscht. 111 Blätter aus dem Konvolut im Basler Kupferstichkabinett stammen aus fünf verschiedenen aufgelösten Skizzenbüchern, die möglichst weitgehend rekonstruiert wurden. In der Ausstellung „Der verborgene Cézanne“ werden sie mit dazugehörigen Blättern aus anderen Sammlungen und Aquarellen und Gemälden aus dem eigenen Bestand und mit Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz ergänzt.

Die Skizzenbuchblätter als Ausgangspunkt und Kern des künstlerischen Prozesses erweisen sich als besonders ergiebiger Teil von Cézannes Schaffen, denn sie erlauben den Blick über die Schulter des Künstlers und die unmittelbare Begegnung mit seiner täglichen Zeichenpraxis.

So zeigen diese Skizzen und Studien, welche Werke der Künstler im Louvre kopierte, dass er im Atelier Porträtstudien schuf, in der Provence Bäume studierte und zu Hause seinen Sohn und seine Frau zeichnete. Während er im Frühwerk verschiedene Bildthemen ausprobierte, limitierte er sich in der Folge auf wenige Motive, wie Stillleben, Landschaften, Badende und Porträts.

Die kleinformatigen Skizzenbücher gewähren einen intimen Einblick, weil sie nie für ein Publikum gedacht waren. Sie dokumentieren einen zwanglosen Prozess des Suchens und Experimentierens. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat Cézanne darin die Zeichnung und deren Rolle grundlegend hinterfragt, indem er gängige Regeln missachtete und Gewohnheiten umging.

In seinen Aquarellen hat Cézanne die Beziehung von Linie und Farbe ganz neu gedacht. So ist die Zeichnung oftmals nicht einfach Vorzeichnung, sondern Cézanne überarbeitete Blätter auch nach dem Aquarellieren mit Graphit, sodass sich Linie und Farbe im lebendigen Zusammenspielgegenüberstehen.

In anderen Aquarellen wiederum verzichtet Cézanne gänzlich auf den Einsatz von Graphit und zieht die Linien stattdessen mit einem feinen Pinsel. Auch hier zeigt die Ausstellung „Der verborgene Cézanne“, wie wenig der Maler sich um Konventionen kümmerte, und erlaubt so spannende und neue Einblicke in ein bekanntes Œuvre.

Der Bestand des Kunstmuseums Basel wird ergänzt durch 53 hochkarätige Leihgaben , darunter vor allem Gemälde und Aquarelle, aus renommierten europäischen und amerikanischen Privatsammlungen und Museen: Fondation Beyeler (Riehen/Basel), Kunsthalle Bremen, The Art Institute of Chicago, Staatliche Graphische Sammlung München, The Metropolitan Museum of Art(New York), The Museum of Modern Art (New York), Musée d’Orsay (Paris), Princeton University Art Museum, Grafische Sammlung Albertina (Wien), Kunsthaus Zürich u.a.

Zur Ausstellung ist im Prestel Verlag ein Katalog sowie Abbildungen aller in der Ausstellung präsentierten Werke erschienen.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Französischen Botschaft in der Schweiz.

(Quelle: Kunstmuseum Basel / Grafik: Studie zu „Das Ewig-Weibliche“, Paul Cézanne, Entstehungszeit:1870/75, Bleistift und schwarze Kreide auf weissem Zeichenpapier; Blatt: 17.8 x 23.7 cm, Creditline: Kunstmuseum Basel-Ankauf)

gateurope.de_2017-07-13 20:42:51