Dürrewelle bedroht Zentralamerika

Zentralamerika leidet unter einer anhaltenden Dürrewelle. Durch unregelmäßige und zu geringe Regenfälle gab es in zahlreichen Ländern erhebliche Ernteeinbußen. Laut dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) der Vereinten Nationen (UN), sind von der Dürre bereits rund 3,5 Millionen Menschen betroffen. Schuld daran soll El Niño sein.

„Die Situation ist so bedrohlich, dass wir bereits jetzt von einer humanitären Krise sprechen müssen“, führt Heiko Seeger aus, Vorstand nph deutschland, Karlsruhe. Wetterexperten gehen davon aus, dass El Niño einer der stärksten der letzten 60 Jahre ist und bis ins erste Halbjahr 2016 wirkt.

„Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es zu weiteren Ernteausfällen kommt. Dann sind zehn Millionen Menschen akut von Hunger bedroht“, sagt Seeger. Einige Länder wie Guatemala, Honduras und El Salvador haben für die betroffenen Regionen den Notstand ausgerufen und erste Hilfsmaßnahmen für die hungernde Bevölkerung eingeleitet.

Ernteausfälle bis zu 80 Prozent

Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) liegen die Ernteausfälle in Guatemala, Honduras und El Salvador zwischen 60 und mehr als 80 Prozent. Am meisten betroffen sind Kleinbauern, Landpächter und Familien mit geringem Einkommen. Das ist rund die Hälfte der 23 Millionen Zentralamerikaner. Schon in Jahren mit normalen Niederschlägen und guter Ernte leben sie von der Hand in den Mund. Geld zum Kauf von neuem Saatgut fehlt.

Und auch der Teuerung von Lebensmitteln wie Mais und Bohnen, den Hauptnahrungsmitteln der Lateinamerikaner, haben diese Menschen nichts entgegenzusetzen. nph-Mitarbeiter aus Zentralamerika berichten, dass sich bei 15 von 26 Grundnahrungsmitteln wie Bohnen, Getreide oder Tomaten, die Preise erheblich verteuert haben – zwischen 11 und 22 Prozent. Das bestätigt auch die FAO. Durch die höheren Preise verstärkt sich die Not der Bevölkerung weiter.

Über zwei Millionen Zentralamerikaner brauchen Hilfe

Laut OCHA benötigen derzeit mehr als zwei Millionen Zentralamerikaner dringende humanitäre Hilfe. Was geschieht, wenn diese zu spät kommt oder ausbleibt, wird in einigen Ländern schon deutlich: In El Salvador leiden inzwischen doppelt so viele Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung wie noch vor acht Jahren. Und im Osten von Guatemala wird – nach vorläufigen Schätzungen – die Anzahl der Menschen, die an akuter Unterernährung leiden, von 3,3 Prozent auf 5,7 Prozent steigen.

Um das Schlimmste zu verhindern, haben die Regierungen der betroffenen Länder begonnen, den hungernden Menschen Hilfe zu leisten. Guatemala versorgt mit Unterstützung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) 110.000 Dürreopfer mit Lebensmitteln.

Auch Honduras und El Salvador versorgen Hunderttausende hungernde Menschen mit Lebensmitteln und stellen den Kleinbauern und Landpächtern Saatgut, Dünger und Bewässerungspumpen für weitere Aussaaten zur Verfügung. Allerdings ist ungewiss, ob bei der anhaltenden Dürre eine zweite Ernte eingebracht werden kann.

Unterstützung der Weltgemeinschaft benötigt

„Eine der größten Herausforderungen wird es sein, Strategien für den so genannten ‚Trockengürtel“, der sich von Guatemala bis nach Panama erstreckt, zu entwickeln. Das können Bewässerungssysteme für die Kleinbauern sein, aber auch resistentes Saatgut für Zonen, die vermehrt unter Trockenheit leiden“, sagt Heiko Seeger. Damit es in Zentralamerika und anderen betroffenen Regionen weltweit nicht zu einer katastrophalen Hungersnot kommt, benötigten die Regierungen und Hilfsorganisationen die Unterstützung der Weltgemeinschaft.

Von den zehn nph-Kinderdörfern in Lateinamerika und der Karibik sind sechs von der Dürre betroffen. Besonders stark sind die Kinderdörfer in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua belastet. Doch auch die Kinder in der Dominikanischen Republik und Haiti leiden unter El Niño.

Hoffnung auf neue Klimaschutz-Vereinbarung

Das Klimaphänomen El Niño ist nicht durch Menschenhand verursacht, sondern hat einen natürlichen Ursprung und ist ein Teil des globalen Wettersystems. Doch einige Experten vermuten inzwischen, dass dieses Wetterphänomen durch den Treibhauseffekt verstärkt wird, so dass es in kürzeren Abständen auftritt und die Auswirkungen intensiver sind.

„Deshalb ist es wichtig, dass die Teilnehmer der Klimakonferenz in Paris im Dezember ein ambitioniertes Abkommen gegen den Klimawandel beschließen“, fordert Heiko Seeger. Die UN-Klimakonferenz findet vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris statt. Im Rahmen dieses hochkarätigen Treffens soll eine neue internationale Klimaschutz-Vereinbarung verabschiedet werden, die das Kyoto-Protokoll ersetzt.

nph hilft seit 60 Jahren Kindern

nuestros pequeños hermanos (nph) wurde 1954 von Padre William Wasson gegründet, um verwaisten und verlassenen Kindern in Lateinamerika ein Zuhause zu schenken. Zurzeit leben 3.400 Kinder in elf Kinderdörfern in Lateinamerika. Die Kinder leben bei nph wie in einer großen christlichen Familie, gehen zur Schule und erlernen einen Beruf. Seit der Gründung des ersten Kinderdorfes sind schon mehr als 18.000 Kinder bei nph aufgewachsen.

(Quell: OTS / Foto: nph-Deutschland e.V.)

gateurope-2015-10-14 15:49:32