Eiszeitkunst aus Baden-Württemberg nun Welterbe

Das UNESCO-Welterbekomitee hat am Sonntag, den 9. Juli 2017, bei seiner Tagung im polnischen Krakau sechs Höhlen im Ach- und Lonetal in Baden-Württemberg als 42. Welterbestätte Deutschlands in die Welterbeliste aufgenommen. Sie sind Fundorte der ältesten mobilen Eiszeit-Kunstwerke der Welt.

Die Fundobjekte stammen allesamt aus Höhlenfundstellen in zwei Tälern der Schwäbischen Alb – dem Achtal etwa 15 km westlich von Ulm und dem Lonetal etwa 20 km nordöstlich von Ulm. Hier liegen die Fundstellen Geißenklösterle, Hohle Fels und Sirgensteinhöhle (Achtal) sowie Vogelherdhöhle, Hohlenstein Stadel-Höhle und Bocksteinhöhle mit dem Bocksteintörle (Lonetal).

In all diesen Höhlen konnten durch archäologische Ausgrabungen Schichten des Aurignacien mit Schmuck- und Kunstobjekten freigelegt werden. Sie bieten eine weltweit einzigartige Konzentration von Fundplätzen. Das Auftreten der ältesten Kunst und Musik in mehreren Fundstellen innerhalb einer Mikroregion verdeutlicht die Bedeutung von Ach- und Lonetal als zentrale Siedlungsareale der frühesten modernen Menschen in Europa.

“Die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst sind ein einzigartiges Beispiel unserer Menschheitsgeschichte. Die dort gefundenen Kunstwerke und Musikinstrumente spiegeln das handwerkliche Können der ersten modernen Menschen wieder und zeigen, welche Rolle Kunst und Kultur bereits vor 40.000 Jahren gespielt haben“, erklärt Prof. Dr. Hartwig Lüdtke, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission. „Ich freue mich sehr, dass das Welterbekomitee diese einmaligen archäologischen Fundstätten in die Welterbeliste aufgenommen hat und sie jetzt zum Netzwerk prähistorischer Stätten von herausragender Bedeutung für die Menschheit zählen.“

Als sich anatomisch moderne Menschen vor mehr als 40.000 Jahren nach Europa ausbreiteten, hinterließen sie auf der Schwäbischen Alb die ältesten mobilen Kunstwerke der Welt. Die nun zum UNESCO-Welterbe zählenden sechs Höhlenfundstellen und die sie umgebende Landschaft im Ach- und Lonetal sind Fundorte von insgesamt über 50 meist aus Elfenbein aber auch aus Knochen gearbeiteten Figuren.

Dazu zählen das Elfenbein-Mammut von der Vogelherdhöhle, die Venus vom Hohlen Fels und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel. Auch acht Flöten sind unter den Fundstücken. Die Objekte sind zwischen 35.000 und 43.000 Jahre alt.

Die meisten der bislang gefundenen Kunstobjekte bilden die Fauna der eiszeitlichen Landschaft einer Steppentundra ab und zeigen Tiere wie Mammut, Wisent, Pferd, Höhlenlöwe oder Höhlenbär. Doch neben dieser Megafauna gibt es auch Darstellungen kleinerer Tiere – ein Wasservogel, ein Fisch und wahrscheinlich ein Igel zählen dazu.

Skulptur Loewenmensch
Skulptur Loewenmensch

Etwas Besonderes sind Darstellungen von Menschen sowie Mischwesen von Mensch und Tier. Weltbekannt ist die Venus vom Hohle Fels, die die älteste Frauendarstellung ihrer Art ist. Auch der Löwenmensch vom Hohlenstein Stadel, ein aufrecht stehendes Mischwesen aus Mensch und Löwe (unser Foto), ist von herausragender Bedeutung. Vervollständigt wird dieses Ensemble eiszeitlicher Kunst mit dem Fund von acht Flöten. Sie sind der direkte Nachweis, dass die eiszeitlichen Jäger und Sammler bereits Musik machten.

Aktualisierung vom 31. 10. 2017: Seit die sechs Eiszeithöhlen im Ach- und Lonetal mit dem Titel UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurden, strömen die Menschen in die Museen. Schließlich ist der Löwenmensch älter als die Pyramiden in Ägypten! Das Urgeschichtliche Museum (Urmu) in Blaubeuren spricht von einem deutlichen Besucherplus. Das Urmu ist deshalb in den Ferien auch montags geöffnet, zudem bietet es täglich eine offene Führung zum Welterbe an. Ende November 2017 wird die Urkunde für das UNESCO-Weltkulturerbe offiziell übergeben.

Mehr Infos zur Eiszeitkunst finden Sie unter diesem LINK

Ausstellungsorte sind derzeit (Stand: 31. 10. 2017):

Landesmuseum Württemberg
Altes Schloss
Schillerplatz 6
70173 Stuttgart

Museum der Universität Tübingen MUT
Schulberg 2
72070 Tübingen

Urgeschichtliches Museum Blaubeuren (urmu)
Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg
Zentrales Schwerpunktmuseum für die Altsteinzeit in Baden-Württemberg
Kirchplatz 10
89143 Blaubeuren

Archäopark Vogelherd Niederstotzingen
Am Vogelherd 1
89168 Niederstotzingen

Ulmer Museum
Marktplatz 9
89073 Ulm

(Quelle: UNESCO / Foto: Fundstelle Vogelherd, Skulptur eines Pferdes ©Universität Tübingen, E. Dutkiewicz; Löwenmensch komplett, drei Ansichten ©Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Y. Mühleis)

gateurope.de_2017-10-31 12:00:55