Climats du Vignoble de Bourgogne

Elf weitere Stätten stehen auf der Welterbeliste

Das UNESCO-Welterbekomitee hat am Samstag, den 4. Juli 2015, auf seiner 39. Sitzung in Bonn elf weitere Stätten in die Welterbeliste aufgenommen. Dazu zählt der Botanische Garten in Singapur als erste Welterbestätte des Landes. Jeweils zwei Stätten aus Dänemark, Frankreich und dem Iran sind neu auf der Welterbeliste: Zum Weltkulturerbe in Frankreich gehören jetzt die Weinbauparzellen in Burgund und die Weinberge der Champagne, im Iran die Stadt Susa und die Kulturlandschaft von Maymand.

In Dänemark wurden die Parforcejagdlandschaft und die Siedlung Christiansfeld in die Welterbeliste aufgenommen. Anerkannt wurden auch die Tusi-Stätten in China, die Stätten der Baekje-Dynastie in Südkorea, der Heilige Berg Burkhan in der Mongolei und die Festung von Diyarbakır in der Türkei.

Das Komitee diskutiert am Sonntag weitere Vorschläge für die Liste, unter anderem die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit Chilehaus sowie die Stätte Naumburger Dom und hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut. Bereits am Freitag wurden vier Stätten als Kultur- und Naturerbe anerkannt. In diesem Jahr sind 36 Stätten für die Welterbeliste nominiert.

Die elf neuen Kulturerbestätten:

China: Tusi-Stätten

Die Tusi-Stätten Laosicheng, Tangya und Hailongtun repräsentieren Chinas Stammeshäuptlingssystem während der Ming- und Qing-Zeit. Vom 13. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die „Tusi“ von der Zentralregierung als erbliche Herrscher ihrer Regionen ernannt.

Die chinesischen Kaiser führten das Tusi-System ein, um die in den südlichen Provinzen lebenden Eingeborenenstämme in ihr Regierungssystem zu integrieren. Das ermöglichte den Stammeshäuptlingen ethnischer Minderheiten, ihre Region auf Basis des Kaiserrechts und unter Beibehaltung ihrer lokalen Bräuche zu regieren. Von den ehemaligen Herrschaftsbezirken der Tusi zeugen die Überreste von Festungen, Grenzmauern und Grabstätten der Stammeshäuptlinge.

Dänemark: Herrnhuter-Siedlung Christiansfeld

Christiansfeld ist eine außergewöhnlich gut erhaltene Herrnhuter-Siedlung in Südjütland. Sie wurde 1773 als Kolonie der aus Herrnhut in Sachsen stammenden Brüdergemeine gegründet und spiegelt die Ideale dieser evangelisch-lutherischen Glaubensgemeinschaft wieder. Die Siedler erbauten die Stadt um einen zentralen Kirchplatz.

Die auffällig schlichte, schmucklose Kirche veranschaulicht die Idee der Gleichheit und Harmonie sowie den einfachen Lebensstil der Gemeinschaft. Bis heute sind die Gebäudeensembles mit großen Gemeinschaftshäusern für Witwen und unverheiratete Mitglieder der Brüdergemeinde intakt. Christiansfeld ist eines der am besten erhaltenen
Beispiele für die Handwerkstradition, Stadtplanung und Architektur der Herrnhuter Brüdergemeine in Skandinavien.

Dänemark: Parforcejagdlandschaft in Nordseeland

Die Parforcejagdlandschaft im dänischen Nordseeland veranschaulicht beispielhaft eine bedeutende Etappe der Landschaftsgestaltung in Europa. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Wälder speziell für die Parforcejagd hergerichtet. Um das Gelände vollständig überblicken zu können, wurden in den Wäldern sternförmig Schneisen angelegt.

Ausgehend von einem Rondell konnte die königliche Jagdgesellschaft über geradlinige Wegachsen das Gebiet rasch und bequem passieren. Der sogenannte Jagdstern – mit einem Jagdschloss als Zentralbau – verweist auf die Ästhetik des Barock und die Herrschaftsvorstellungen des Absolutismus. Der Jagdstern ist ein Sinnbild der Macht: Wege und Blickachsen strahlen vom Herrscher aus in alle Richtungen. Das geometrische Landschaftsdesign folgte Vorbildern aus Frankreich und Deutschland.

Frankreich: Climats – Weinbauparzellen in Burgund

Nur in Burgund werden die Reblagen in den Weinbergen nicht als „Terroirs“, sondern als „Climats“ bezeichnet (unser Foto oben). Der Begriff wird erstmals in Schriften des 16. Jahrhunderts erwähnt. „Climat“ bezeichnet eine Kombination von Eigenschaften der Weinlage. Dazu gehören unter anderem die Hangausrichtung, die natürliche Beschaffenheit des Bodens, das Mikroklima und die historische Anbauweise.

Die Essenz eines Climats spiegelt sich in der Farbe, Textur und dem Aroma der Weine wider. Die Climats in Burgund sind präzise abgegrenzte Weinparzellen, die sich wie ein Mosaik über die Hanglagen zwischen Dijon und Santenay erstrecken. Über die Jahrhunderte sind mehr als 1.000 individuelle Climats entstanden. Diese traditionelle Form des Weinbaus hat in Burgund eine außergewöhnliche Kulturlandschaft geformt.

Frankreich: Weinberge, Weinhäuser und Weinkeller der Champagne

Die historischen Weingärten und Kellereien von Hautvillers, Aÿ und Mareuil-sur-Aÿ, die Anhöhe von Saint-Nicaise in Reims und die Avenue de Champagne in Épernay zeugen von den Ursprüngen und der Entwicklung des traditionellen Weinbaus in der Champagne. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich die Region der Champagne zu einer agrar-industriellen Kulturlandschaft, mit tiefgreifenden technischen, sozialen und ökonomischen Veränderungen.

Die Weinerzeugung änderte sich von einer handwerklichen Kultur hin zur industriellen Massenproduktion. Zum baukulturellen Erbe aus dieser Zeit gehören repräsentative Industriegebäude und die großbürgerlichen Anwesen der Champagner-Winzer. Daneben ist eine Vielzahl historischer Produktions- und Vertriebsstätten erhalten. Sie geben Einblicke in die hohe Kunst der Champagner-Herstellung. Bis heute werden alte Steinbrüche, die riesigen unterirdischen Kathedralen gleichen, als Weinkeller genutzt.

Mongolei: Heiliger Berg Burkhan Khaldun

Der heilige Berg Burkhan Khaldun ist laut Überlieferungen Geburtsort und Grabstätte von Dschingis Khan. Der Berg gilt als Sinnbild des mongolischen Reiches, das den eurasischen Kontinent im 12. und 13. Jahrhundert maßgeblich prägte. Neben dem Burkhan Khaldun werden sechs weitere heilige Berge in die Welterbeliste aufgenommen, die ebenfalls seit 1994 unter staatlichem Schutz stehen.

Die Anbetung heiliger Berge und Quellen ist ein wesentlicher Bestandteil der mongolischen Kultur. Die schamanischen Rituale wurden dabei um buddhistische Lehren und Praktiken erweitert. Sie umfassen heute neben den traditionellen Segenssprüchen, Volksliedern sowie Opfergaben von Milch und Tee auch den Vortrag buddhistischer Lehrreden, sogenannter Sutras. Als unberührte Landschaften spielen die heiligen Berge auch eine wichtige Rolle für die Erhaltung bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Iran: Susa

Susa ist eine der ältesten durchgehend besiedelten Städte der Welt. Im späten 5. Jahrtausend vor Christus entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Wirtschaftszentrum am Knotenpunkt der antiken Handelsstraße zwischen Mesopotamien und der iranischen Hochebene. Grabungsfunde dokumentieren die Entwicklung von Stadtplanung und Architektur über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahrtausenden unter dem Einfluss unterschiedlicher Kulturen.

Dazu zählten die Elamiter, Achämeniden, Mazedonier, Parther und Sassaniden. Grabungsfunde aus über 5.000-jährigen Siedlungsgeschichte machen Susa zu einer Schatzkammer der Archäologie. Zu den ältesten Überresten zählen die Akropolis und die elamitische Königsstadt, aus achämenidischer Zeit stammen die Paläste von Darius I. und seines Nachfolgers Artaxerxes II.

Iran: Kulturlandschaft von Maymand

Das historische Höhlendorf Maymand liegt auf einer Höhe von mehr als 2.200 Metern in der iranischen Provinz Kerman. Die Häuser des Dorfes bestehen aus Felshöhlen, die auf mehrstöckigen Terrassen angelegt sind. Die Wohnstätten bestehen aus mehreren 16 bis 20 Quadratmeter großen Räumen. Seit Jahrtausenden sind die Höhlenhäuser permanent bewohnt.

Aufgrund des geringen Niederschlags in der Region wird das Dorf durch zwei unterirdische Aquädukte mit Wasser versorgt. Derzeit leben in Maymand nur 140 Menschen. Viele von ihnen sind halbnomadische Schäfer. Das Höhlendorf veranschaulicht die Lebensweise der Bewohner in Harmonie mit der Natur. Maymand wurde 2005 mit dem Melina Mercouri-Preis der UNESCO für die Bewahrung von Kulturlandschaften ausgezeichnet.

Singapur: Botanischer Garten von Singapur

Der botanische Garten von Singapur gehört mit seinen über 3.000 tropischen Pflanzenarten, einem Regenwaldpark und einem riesigen Orchideengarten zu den schönsten und wissenschaftlich bedeutendsten botanischen Gärten der Welt. Seine Geschichte reicht 150 Jahre zurück, bis in die Zeit der britischen Kronkolonie. Ursprünglich wurde er im englischen Stil als Landschaftsgarten angelegt – Elemente davon sind bis heute erhalten.

Später diente er als Wirtschaftsgarten und zur Pflanzenzucht. Unter anderem spielte der botanische Garten eine Schlüsselrolle bei der Züchtung von Kautschukbäumen. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Zentren für Pflanzenforschung in Südostasien. Heute dient der botanische Garten im Herzen der Stadt Singapur vor allem als Ort der Bildung und Erholung für jährlich über vier Millionen Besucher.

Republik Korea (Südkorea): Historische Stätten der Baekje-Dynastie

Das Königreich Baekje war eines der drei Königreiche, die zwischen dem 1. und 7. Jahrhundert nach Christus die koreanische Halbinsel beherrschten. Von dem kulturellen Erbe aus dieser Zeit zeugen die historischen Bereiche von Buyeo, Gongju und Iksan, den drei ehemaligen Hauptstädten des Königreichs Baekje. Repräsentative Beispiele aus der Blütezeit des Königreichs (475 bis 660 nach Christus) sind die Festung Gongsanseong in Gongju und die Königsgräber in Songsan-ri, die Festung Busosanseong und der Jeongnimsa-Tempel in Buyeo, die Königsgräber in Neungsan-ri, der königliche Palast in Wanggung-ri sowie der Mireuksa-Tempel in Iksan.

Sie veranschaulichen die Prinzipien der Stadtplanung, Architektur und Kunst, die chinesische Vorbilder und Lehren des Buddhismus aufgriffen. Die archäologischen Stätten sind Zeugnisse für den kulturellen Austausch zwischen den alten Königreichen in Korea, China und Japan sowie für die Verbreitung des Buddhismus in Ostasien.

Türkei: Festung von Diyarbakır und Kulturlandschaft Hevsel-Gärten

Die Zitadelle von Diyarbakır ist eine der größten antiken Befestigungsanlagen der Welt. Diyarbakır im Südosten Anatoliens am Ufer des Tigris wurde vor mehr als 8.000 Jahren gegründet. An der historischen Stadtmauer kann man die Siedlungsgeschichte ablesen. Römer, Assyrer und Byzantiner haben ihre Spuren hinterlassen. Die Stadtmauer umfasst eine Innen- und Außenburg.

Sie besitzt 16 Türme und fünf mit Inschriften und Reliefs versehene Stadttore. Die Wände der Außenburg aus schwarzem Basalt sind bis zu zwölf Meter hoch und drei Meter dick. Ihre vier mächtigen Haupttore zeigen in die vier Himmelsrichtungen. Im Südosten befinden sich die Hevsel-Gärten, die über Jahrtausende die Bewohner der Stadt mit Obst und Gemüse versorgt haben. Diese Kulturlandschaft wurde gemeinsam mit der Zitadelle in die Welterbeliste aufgenommen.

(Quelle: UNESCO / Foto: UNESCO © Jean-Louis Bernuy)

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