Umweltbericht: Längst nicht alles Grün

Die Bürger Europas recyceln mehr, atmen bessere Luft und haben reineres Wasser, zudem ist die “grüne” Wirtschaft in den vergangenen Jahren um 50 Prozent gewachsen. Das zeigt der am Dienstag, 3. März 2015, veröffentlichte “Bericht über den Zustand und die Perspektiven der Umwelt in Europa” der Europäischen Umweltagentur.

Der Report erscheint alle fünf Jahre und bietet eine Bewertung der europäischen Umwelt anhand umfassender regionaler, nationaler und internationaler Daten sowie Vergleiche zu 39 europäischen Ländern.

In Deutschland hat sich der Zustand der Umwelt seit der deutschen Wiedervereinigung deutlich verbessert, jedoch besteht insbesondere in Sachen Klimaschutz, Schadstoffbelastung der Umwelt und bei der nachhaltigen Nutzung von Energie und Ressourcen Handlungsbedarf, so der Bericht.

Er verweist insbesondere auf die andauernde Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon in Deutschland.

Ausdehnung der Ballungsräume Grenzen setzen

Zudem müsse der Ausdehnung deutscher Ballungsräume Grenzen gesetzt werden: zwischen 2009 und 2012 wurden pro Tag durchschnittlich 74 Hektar mit neuen Siedlungen oder Verkehrswegen bebaut.

Die Inanspruchnahme neuer Flächen will die Bundesregierung bis 2020 auf höchstens 30 Hektar pro Tag begrenzen. Im Ländervergleich hat Deutschland die größte Fläche (absolut) von Naturschutzgebieten ausgewiesen.

Punkt: Ressourceneffizienz / Kreislaufwirtschaft

Der Bericht macht deutlich, dass Umweltschutz wirtschaftlich gesehen eine solide Investition ist. Zwischen 2000 und 2011 ist die grüne Wirtschaft in der EU um mehr als 50 Prozent gewachsen, womit sie zu den wenigen Sektoren zählt, die trotz Krise erfolgreich waren.

Ebenso zeigt der Bericht, dass sich die Bewirtschaftung des Abfalls inzwischen verbessert hat. Jedoch ist die europäische Wirtschaft von der Kreislaufwirtschaft noch weit entfernt, es wird noch zu viel Abfall im Boden vergraben und das Potenzial für Recycling und Energierückgewinnung ist noch längst nicht ausgeschöpft.Punkt: Natur und Biodiversität

Der Bericht weist darauf hin, dass Europa noch nicht genügend unternimmt, um das Artensterben aufzuhalten, denn der Verlust an Lebensräumen für Tiere und Pflanzen geht weiter. Insbesondere die Biodiversität der Meere ist immer noch in Gefahr.

Punkt: Meeresbewirtschaftung

Wie im Bericht ausgeführt wird, steht Europa vor dem Problem, einerseits das Meeresökosystem wiederherzustellen und zu schützen und andererseits die Meeres- und Küstentätigkeit als zentralen Bestandteil der Wirtschaft und Gesellschaft der EU zu erhalten.

Die EU engagiert sich für eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Meere und ist entschlossen, bei den internationalen Diskussionen zur Meeresbewirtschaftung eine Vorreiterrolle zu übernehmen.

Punkt: Klimapolitik

Beim Klima zeigen die Maßnahmen Wirkung: Die Treibhausgasemissionen sind seit 1990 um 19 Prozent zurückgegangen, während die Wirtschaft gleichzeitig um 45 Prozent gewachsen ist. Die Ziele für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bis 2020 sind ebenfalls in Reichweite.

Deshalb hat die EU gute Aussichten, die Klimaschutz- und Energieziele der Strategie Europa 2020 zu verwirklichen. Laut dem SOER-Bericht 2015 werden die derzeitigen Maßnahmen allerdings nicht ausreichen, um das längerfristige Ziel einer Emissionsreduktion um 80-95 Prozent bis 2050 und die Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft in Europa zu erreichen.

Die Kommission hat darauf bereits reagiert und bereitet neue Maßnahmenvorschläge vor, um die Emissionen, wie auf der Tagung des Europäischen Rates vom vergangenen Jahr vereinbart, bis 2030 um 40 Prozent zu senken.

Punkt: Luftqualität

Der EU-Umweltbericht zeigt auf, dass die Luft, die wir heute atmen, wesentlich sauberer ist als in den vorherigen Jahrzehnten. Die Emissionswerte einiger Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid (SO2) oder Stickoxide (NOx) sind in den letzten Jahrzehnten, insbesondere aufgrund der EU-Vorschriften für die Luftqualität, deutlich zurückgegangen.

Trotz dieser Erfolgte bleibt aber die schlechte Luftqualität weiterhin die Hauptursache für vorzeitige Todesfälle in der Europäischen Union. Die EU wird in Kürze ein geändertes Paket zur Luftqualität vorlegen, um sicherzustellen, dass die Verfahren angewandt werden, die in diesem Bereich die bestmöglichen Ergebnisse bringen.

Mit Blick auf die Zukunft fordern die Autoren des Berichtes eine stärkere Integration unterschiedlicher Politikbereiche für die Umweltpolitik. Die Europäische Kommission hat dazu für 2015 eine Reihe politischer Initiativen angekündigt, darunter zur Kreislaufwirtschaft, der EU-Biodiversitätsstrategie und zur Luftqualität.

(Quelle: EU-Aktuell)

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