EU: Zahl der Verkehrstoten sinkt zu langsam

Die Zahl der Verkehrstoten in der EU ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken, jedoch nur um 2 Prozent. Damit setzt sich der positive Trend seit sechs Jahren zwar fort. Allerdings reicht er möglicherweise nicht aus, das Ziel der EU zu erreichen, die Zahl der Verkehrstoten im Zeitraum 2010 bis 2020 zu halbieren.

Seit 2010 konnten die EU-Staaten die Zahl der Verkehrstoten in der EU nur um knapp ein Fünftel reduzieren. Das zeigen die am Dienstag, den 28. März 2017,  von der EU-Kommission veröffentlichten Statistiken zur Straßenverkehrssicherheit.

Violeta Bulc, die für den Bereich Verkehr zuständige Kommissarin sagte hierzu: „Die heute vorgelegten Statistiken zeigen eine Verbesserung und eine positive Entwicklung, auf der sich aufbauen lässt. Es sind aber nicht die Zahlen, die mir die meisten Sorgen bereiten – es geht um die Opfer und deren Familien. Allein heute werden wir weitere 70 Menschenleben auf den Straßen der EU verlieren und fünfmal so viele werden schwer verletzt werden! Ich fordere alle Verantwortlichen auf, ihre Bemühungen zu forcieren, damit wir unser Ziel, die Anzahl der Verkehrstoten zwischen 2010 und 2020 zu halbieren, erreichen können.“

2016 kamen in der EU 25.500 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben – das waren 600 weniger als 2015 und 6000 weniger als 2010. Der stärkste Rückgang der Zahl der Verkehrstoten ist in Litauen zu verzeichnen. Dort starben 2015 83 Menschen pro eine Millionen Einwohner, 2016 ging diese Zahl auf 65 zurück, was einen Rückgang um 22 Prozent bedeutet.

In Deutschland ging die Zahl der Verkehrstoten um 7 Prozent von 2015 zu 2016 zurück. Die höchste Zahl an Verkehrstoten pro eine Million Einwohner verzeichnet Bulgarien mit 99.

2016 war auch das erste Jahr, in dem die Kommission Daten zur Zahl der Schwerverletzten im Straßenverkehr veröffentlichen konnte, denn 16 Mitgliedstaaten hatten ihre nach einer neuen gemeinsamen Definition erfassten Daten übermittelt. Ausgehend von diesen sich immerhin auf 80 Prozent der EU-Bevölkerung beziehenden Daten schätzt die Kommission, dass im letzten Jahr 135 000 Menschen in der EU schwer verletzt wurden. Ein Großteil der Schwerverletzten entfällt auf besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer.

Als Reaktion auf den in jüngster Zeit nur geringfügigen Rückgang der Verkehrsunfälle mit Todesfolge organisiert die Kommission vom 28. bis 29. März 2017 in Malta zusammen mit dem maltesischen Ratsvorsitz eine Fach- und Ministerkonferenz.

Die zweitägige Veranstaltung bietet Sachverständigen der Straßenverkehrssicherheit, Interessenvertretern und politischen Entscheidungsträgern Gelegenheit zu einer Bestandsaufnahme und zu Gesprächen darüber, wie sich die Anzahl der Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr weiter reduzieren lässt.

Dennoch gilt auch: Europas Straßen zählen nach wie vor zu den sichersten der Welt. 2016 starben im bei Unfällen im Straßenverkehr, bezogen auf je eine Million Einwohner, in der EU 50 Menschen, weltweit jedoch 174 Menschen.

Nachdem zwei Jahre lang kaum eine Verbesserung zu verzeichnen war, markierte das letzte Jahr eine Wende: die Anzahl der Verkehrstoten ging um 2 % zurück. 2016 kamen in der EU 25 500 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben – das waren 600 weniger als 2015 und 6 000 weniger als 2010. Damit sank über die letzten sechs Jahre die Anzahl der Verkehrstoten um 19 %.

Wenngleich es schwierig werden dürfte, das strategische Ziel einer Halbierung der Zahl der Verkehrstoten im Zeitraum 2010 bis 2020 zu erreichen, lohnt es sich, dieses Ziel im Auge zu behalten – schließlich zählt jedes einzelne Menschenleben.

Nur zum Vergleich: zwischen 2001 und 2010 konnte die Anzahl der Verkehrstoten um 43 % gesenkt werden.

Zwar hat sich die Straßenverkehrssicherheit seit 2010 in den meisten EU-Mitgliedstaaten verbessert, doch bestehen zwischen den einzelnen Staaten weiterhin große Unterschiede. Im Jahr 2016 war Schweden das Land mit den wenigsten Verkehrstoten je einer Million Einwohner (27), gefolgt vom Vereinigten Königreich (28), den Niederlanden (33), Spanien (37), Dänemark (37), Deutschland (39) und Irland (40). Am schlechtesten schnitten Bulgarien (99), Rumänien (97), Lettland (80) und Polen (79) ab. Zu den Ländern, in denen in den Jahren 2015 und 2016 die Zahl der Verkehrstoten am stärksten zurückging, zählen Litauen (22 %), Lettland (16 %) und die Tschechische Republik (16 %).

2016 lag das zweite Jahr in Folge in keinem der Mitgliedstaaten der Anteil an Verkehrstoten je einer Million Einwohner über 100, meist blieb dieser Anteil unter 80. Zudem konnte fast die Hälfte der Mitgliedstaaten ihre bislang beste Bilanz in der Straßenverkehrssicherheit seit 1965 vorweisen. Damals lagen der Kommission erstmals entsprechende Statistiken vor.

(Quelle: EU-Kommission / Foto: Gateurope)

gateurope.de_2017-03-28 20:21:23