Europäische Erfinderpreise verliehen

Bernhard Gleich (46) und Jürgen Weizenecker (48) wurden am 14. Juni 2016 in Lissabon mit dem Europäischen Erfinderpreis 2016 in der Kategorie “Industrie” ausgezeichnet. Anton van Zanten (75), langjähriger Ingenieur der Robert Bosch GmbH, erhielt Europas wichtigsten Innovationspreis in der Kategorie “Lebenswerk” für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Automobilsicherheitstechnik. Mit der Auszeichnung ehrt das Europäische Patentamt (EPA) jährlich Erfinder aus Europa und der ganzen Welt für ihre Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung, technischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wohlstand. Die Gewinner wurden von einer unabhängigen internationalen Jury unter fast 400 Erfindern und Erfinder-Teams ausgewählt.

“Die heutige Preisverleihung würdigt den Innovationsgeist und die Leistung derjenigen, die mit ihren Erfindungen den Stand der Technik maßgeblich vorangetrieben haben”, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli. “Die Bedeutung dieser Leistungen unterstreicht den Stellenwert des europäischen Patentsystems für die wirtschaftliche Stärke und den technologischen Fortschritt in Europa.”

An der Preisverleihung, die in diesem Jahr zum elften Mal stattgefunden hat, nahmen 600 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft teil. Eröffnet wurde der Festakt in der Lissaboner MEO Arena durch EPA-Präsident Battistelli, den portugiesischen Ministerpräsidenten António Costa und Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation.

Das deutsche Physiker-Duo hat mit Magnetic Particle Imaging (MPI) bei Philips Research Hamburg ein zukunftsweisendes Bildgebungsverfahren entwickelt, welches dreidimensionale und millimetergenaue Echtzeitbilder von Arteriensystemen und Organen liefert. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumore ließen sich somit künftig schneller und präziser diagnostizieren, wodurch Ärzte Therapiemaßnahmen frühzeitiger als bislang einleiten können.

Der gebürtige Augsburger Bernhard Gleich, der 2013 seine Doktorarbeit “Principles and Applications of Magnetic Particle Imaging” an der Universität zu Lübeck einreichte, und Jürgen Weizenecker, seit 2008 als Professor an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Karlsruhe tätig, haben bis heute mehr als 30 Patente für Verbesserungen der MPI-Technologie durch das EPA erhalten. Der erste präklinische MPI-Scanner befindet sich seit 2014 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) im Einsatz.

In der Finalrunde um die europäische Erfinderkrone haben sich die beiden Deutschen und ihr Team durchgesetzt gegen Virna Cerne und Ombretta Polenghi (Italien) mit ihrem innovativen Verfahren zur Extraktion glutenähnlicher Proteine aus Mais, sowie Joan Daemen (Belgien) und Pierre-Yvan Liardet (Frankreich), die mit ihrem Team für die Entwicklung einer sicheren Smartcard-Verschlüsselung nominiert waren.

In der Kategorie “Lebenswerk” kürte das EPA den Erfinder Anton van Zanten als Gewinner. Seine Pionierarbeit in der Automobilsicherheitstechnik hat die Straßen weltweit sicherer gemacht: Über vier Jahrzehnte entwickelte er bei Robert Bosch das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) sowie weitere Sicherheitssysteme, wie das Antiblockiersystem (ABS).

Mit über 180 erteilten Patenten auf seinen Namen, 36 davon in Verbindung mit Autosicherheit, hat der Ingenieur Maßstäbe für Fahrassistenzsysteme gesetzt. Seine technischen Innovationen sind heute in vielen Neuwagen Pflicht, die elektronische Stabilitätskontrolle gilt als wichtigstes Fahrzeugsicherheitssystem nach dem Sicherheitsgurt. Neben van Zanten waren Alain Carpentier (Frankreich) für seine Verdienste auf dem Gebiet der Herzchirurgie sowie Tore Curstedt (Schweden), der eine Atemhilfe für Neugeborene entwickelte, für ihr Lebenswerk nominiert.

Der Europäische Erfinderpreis ist einer der wichtigsten Preise für Innovation in Europa. Mittlerweile im elften Jahr wird er seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen. Mit dem Preis werden einzelne Erfinder und Erfinder-Teams ausgezeichnet, die mit ihren Entwicklungen dazu beitragen, technische Antworten auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Die Gewinner werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, die sich aus internationalen Autoritäten der Wirtschaft, Wissenschaft, Universitäten und Forschung zusammensetzt und prüft, inwieweit diese Erfinder mit ihrer Arbeit zu gesellschaftlichem Fortschritt, der Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Wohlstand in Europa beigetragen haben. Auch die Öffentlichkeit nimmt an der Preisvergabe teil: Sie bestimmt per Online-Voting den Gewinner des Publikumspreises unter den 15 Finalisten.

Das Europäische Patentamt (EPA) ist mit rund 7 000 Mitarbeitern eine der größten europäischen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Der Hauptsitz ist in München; Niederlassungen gibt es in Berlin, Brüssel, Den Haag und Wien. Das EPA wurde gegründet, um die Zusammenarbeit europäischer Staaten im Patentwesen zu fördern. Über das zentrale Erteilungsverfahren beim EPA können Erfinder auf der Grundlage einer einzelnen Patentanmeldung Patentschutz in den 38 EPO-Mitgliedsstaaten erlangen. Das EPA ist überdies die weltweit bedeutendste Behörde für Patentrecherchen und Patentinformation.

(Quelle: OTS / GRAFIK: EPA)

gateurope.de_2016-06-14 16:09:43