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Eurostat: Mehr Syrer und Afghanen, weniger Kosovaren

Zahlen statt Spekulationen: Von April bis Juni 2015 haben 213.200 Asylsuchende erstmals Schutz in der Europäischen Union (EU) beantragt, davon mehr als ein Drittel (80.935) in Deutschland. Europaweit entspricht dies einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2015 und von 85 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2014.

Syrische und afghanische Staatsangehörige stellten die zwei größten Gruppen und insgesamt ein Drittel der Asylbewerber in der EU dar. Die Anzahl der Kosovaren, die die größte Gruppe der erstmaligen Asylbewerber in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 waren, fiel von fast 50.000 im ersten Quartal 2015 auf knapp über 10.000 im zweiten Quartal 2015.

Die Daten von Eurostat

Diese vierteljährlichen Daten über Asyl in der EU sind einem Bericht entnommen, der von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, herausgegeben wurde.

Die Zahlen im Detail: Im zweiten Quartal 2015 (von April bis Juni 2015) beantragten 213 200 Asylsuchende erstmals Schutz in der Europäischen Union (EU). Dies entspricht einem Anstieg von 15% gegenüber dem ersten Quartal 2015 und von 85% gegenüber dem zweiten Quartal 2014.

Insbesondere erhöhte sich die Zahl der Syrer und Afghanen beträchtlich und erreichte fast 44 000 bzw. 27 000. Syrische und afghanische Staatsangehörige stellten im zweiten Quartal 2015 die zwei größten Gruppen erstmaliger Asylbewerber und ein Drittel aller erstmaligen Asylbewerber in der EU dar.

Die Anzahl der Kosovaren, die die größte Gruppe der erstmaligen Asylbewerber in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 waren, fiel von fast 50 000 im ersten Quartal 2015 auf knapp über 10 000 im zweiten Quartal 2015.

Mehr als ein Drittel beantragte Asyl in Deutschland

Im zweiten Quartal 2015 wurden die meisten erstmaligen Asylbewerber in Deutschland (80 900 erstmalige Asylbewerber bzw. 38% der Gesamtzahl der erstmaligen Asylbewerber in der EU) registriert.

Darauf folgten Ungarn (32 700 bzw. 15%), Österreich (17 400 bzw. 8%), Italien (14 900 bzw. 7%), Frankreich (14 700 bzw. 7%) und Schweden (14 300 bzw. 7%). Gegenüber dem Vorquartal stieg die Zahl der erstmaligen Asylbewerber im zweiten Quartal 2015 in den Niederlanden (+159%), Lettland (+123%), Österreich (+79%), Finnland (+67%) und Dänemark (+66%) sprunghaft an.

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Höchste Quote in Ungarn

Im Vergleich zur Einwohnerzahl des jeweiligen Mitgliedstaates wurde im zweiten Quartal 2015 die höchste Quote erstmaliger Asylbewerber in Ungarn (3 317 erstmalige Bewerber je eine Million Einwohner) verzeichnet, vor Österreich (2 026), Schweden (1 467) und Deutschland (997).

Die niedrigsten Quoten hingegen wurden in der Slowakei (5 Bewerber je eine Million Einwohner), Kroatien (6), Rumänien (19), Slowenien (20), Litauen (21), Portugal (24) und der Tschechischen Republik (26) gemeldet. Im zweiten Quartal 2015 wurden in der EU 420 erstmalige Asylbewerber je eine Million Einwohner registriert.

Jeder fünfte Bewerber stammt aus Syrien

Syrien (44 000 erstmalige Asylbewerber bzw. 21% der Gesamtzahl erstmaliger Asylbewerber in der EU) war im zweiten Quartal 2015 das Land der Staatsangehörigkeit eines Großteils der Asylsuchenden in der EU.

Von den 44 000 Syrern, die im zweiten Quartal 2015 zum ersten Mal einen Asylantrag in der EU einreichten, wurden über drei Viertel in vier Mitgliedstaaten registriert: Deutschland (16 300), Ungarn (8 400), Österreich (5 300) und Schweden (3 900). Insgesamt bildeten in zehn EU-Mitgliedstaaten Syrer die größte Gruppe der Asylsuchenden.

Afghanistan (27 000 erstmalige Asylbewerber bzw. 13% der Gesamtzahl erstmaliger Asylbewerber in der EU) war das zweithäufigste Herkunftsland der Asylbewerber in der EU im zweiten Quartal 2015. Von den 27 000 Afghanen, die im Zeitraum von April bis Juni 2015 zum ersten Mal in der EU Asyl suchten, stellte über die Hälfte (13 600 Personen) ihren Antrag in Ungarn.

Mit 17 700 erstmaligen Bewerbern (bzw. 8% aller Bewerber in der EU) stand Albanien im zweiten Quartal 2015 an dritter Stelle der Staatsangehörigkeiten der Asylsuchenden in der EU. Nahezu 90% von ihnen reichten ihren Antrag in Deutschland (15 400) ein.

Bei 600 000 Personen läuft der Asylantrag noch

Anhängige Anträge beziehen sich auf Personen, die einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt haben, der am Ende des Berichtszeitraums noch von der zuständigen nationalen Behörde geprüft wird. Dieser Begriff bezieht sich auf den „Bestand“ an Anträgen, die noch anhängig sind. Mit diesem Indikator soll die Arbeitsbelastung der einzelstaatlichen Behörden gemessen werden.

Ende Juni 2015 waren etwa 592 000 Personen Gegenstand eines Asylantrags in der EU, der noch von der zuständigen nationalen Behörde geprüft wurde. Im vergangenen Jahr belief sich diese Zahl Ende Juni 2014 auf knapp 365 000.

Mit 305 800 anhängigen Asylanträgen (bzw. 52% der Gesamtzahl für die EU) hatte Deutschland Ende Juni 2015 bei weitem den höchsten Anteil in der EU, vor Schweden (56 000 Anträge bzw. 9%), Italien (48 300 Anträge bzw. 8%), Frankreich (36 100 Anträge bzw. 6%), dem Vereinigten Königreich (29 400 Anträge bzw. 5%) und Griechenland (29 200 Anträge bzw. 5%).

(Quellen: EU-Aktuell / Eurostat)

gateurope-2015-09-18 20:22:08