Bananenpfluecker bei der Arbeit

Fair und Bio sind beliebte Kombination

Über 100 Fairtrade-Produzenten, Hersteller und Händler nutzen die Biofach-Messe in Nürnberg, um Kontakte zu knüpfen und ihre Produkte zu präsentieren. „Bio ist die wichtigste Zweit-Zertifizierung für Fairtrade-Bauern: Über die Hälfte der Fairtrade-Organisationen sind auch Bio-zertifiziert, viele weitere arbeiten ohne Zertifikat, aber nach biologischen Richtlinien“, sagte TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath.

Die Kleinbauernorganisationen tragen damit zu Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssicherheit bei. In Deutschland sind gemessen am Gesamtabsatz fast drei Viertel der Fairtrade-Produkte auch Bio-zertifiziert.

Insgesamt entwickelt sich der Absatz von Fairtrade-Produkten positiv, die ersten drei Quartale 2015 zeigen ein zweistelliges Plus. Fair und Bio sind dabei eine besonders beliebte Kombination. In Deutschland tragen viele Fairtrade-Produkte auch ein Bio-Siegel: 2015 betrug bei fairem Kaffee der Bioanteil 72 Prozent, bei Schokolade 61 Prozent, bei Tee 85 Prozent und bei Bananen 100 Prozent.

„Gerade im Fairtrade-Bio-Bereich erleben wir eine große Kreativität in Sachen Neuprodukten. Diese Vielfalt findet sich insbesondere in Bio-Supermärkten. Die Biobranche ist in Sachen Fairtrade breit aufgestellt“, so Overath. Auch für die Gastronomie wächst das Angebot: Die Fritz-Kulturgüter GmbH bringt mit Anjola eine trendige Bio-Fairtrade-Limonadenmarke in fünf Sorten auf den Markt.

Livestyle in der Flasche

gibt es auch als Eistee in drei Geschmacksrichtungen von Dietz unter der Marke teaz. Neupartner für Gastronomiebedarf ist die Firma MAL Somilareka Dissanayake mit sechs Produkten rund um die Kokosnuss – von Kokos-Chips, über -Milch, bis -Wasser. 2016 startet mit weiteren bio-fairen Produkten: Im ersten Quartal stellt Rewe Bio-Vollrohr- und Rohrohrzucker auf Fairtrade um.

Ein Großteil der Biobauern weltweit, gut 80 Prozent, lebt in Afrika, Lateinamerika und Asien. Die meisten davon sind Kleinbauern, die auf geringer Fläche ihre Produkte anbauen. Bio heißt aber nicht automatisch fair. Darum hat sich die Fairtrade-Bewegung zum Ziel gesetzt, Kleinbauernorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu unterstützen – unter anderem durch stabile Mindestpreise, zusätzliche Prämien und Beratung vor Ort.

Bio-Anbau ist im fairen Handel keine Pflicht, aber „ein Drittel der Kriterien im Fairtrade-Standard befassen sich mit Umweltaspekten. Der faire Handel ist ein großer Schritt Richtung Bio-Anbau“, erläuterte Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair e.V.

Die EU plant, die Richtlinien für Bio-Importe für Drittstaaten zu ändern. Statt wie bisher äquivalente Bio-Standards oder -Zertifizierungsorganisationen anderer Länder zu akzeptieren, sieht der neue Entwurf vor, dort, wo keine bilateralen Verträge zwischen Anbauland und EU vorhanden sind, für die Importerlaubnis die strikte Einhaltung spezifischer EU-Standards zu fordern.

Doch diese berücksichtigen nicht die klimatischen

und strukturellen regionalen Unterschiede. „Mit dieser Regelung kommen gerade auf Produzenten vieler Entwicklungsländer große technische und finanzielle Auflagen zu, um Zugang zu EU-Standards zu bekommen“, warnte Bio-Experte Antonio Compagnioni. Das würde auch Fairtrade-Kleinbauernorganisationen hart treffen, denn „die wenigen bilaterale Vereinbarungen gibt es vor allem mit wirtschaftlich entwickelten großen Produzentenländern, nicht mit kleineren und vermeintlich unbedeutenderen. Das bedeutet für die Kleinbauernorganisationen dieser Länder enorme Kosten für weitere Zertifizierungen, die in der EU akzeptiert sind, wenn sie ihre Ware weiter exportieren wollen. Viele von ihnen werden den Zugang zum europäischen Markt verlieren.“

Compagnioni ist Beiratsmitglied von IFOAM Europa, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Fairtrade Italien sowie Mitglied des Fairtrade-Standardkomitees. „Die aktuellen Import-Regelungen müssen verbessert werden, sie sind aufwändig, wenig transparent und benötigen besserer Aufsicht. Aber dabei dürfen wir die weniger entwickelten Nicht-EU-Länder nicht außer Acht lassen! Das sind Schwerpunktländer für Fairtrade und Bio-Anbau.“ Ende Februar wird der Entwurf erneut diskutiert.

Der Verein TransFair e.V. wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, benachteiligte Produzentengruppen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Als unabhängige Organisation handelt TransFair e. V. nicht selbst mit Waren, sondern setzt sich für mehr fairen Handel und nachhaltigen Konsum ein.

(Quelle: OTS / Foto: obs/TransFair e.V./Santiago Engelhardt)

gateurope.de-2016-02-12 17:33:17