Flugpreise im Tiefflug

Immer stärker gehen die Günstigflieger untereinander auf beliebten Strecken in den Wettbewerb, was zu weiter sinkenden Flugpreisen führt. Diese Ergebnisse stehen im nun erschienenen „Low Cost Monitor 2/2015“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Auffällig ist der zunehmende und bisher eher unübliche Wettbewerb der Günstigflieger untereinander. Auf beliebten Strecken, etwa zwischen Köln und Berlin, bieten zunehmend mehrere Gesellschaften günstige Flüge an. „In Verbindung mit den aktuell niedrigen Kerosinpreisen führt dieser Wettbewerb zu deutlichen Preisrückgängen“, erklärt Studienleiter Berster.

Die Durchschnittspreise, die im Low Cost Monitor je nach Carrier auf Grundlage verschiedener Vorausbuchungszeiträume von einem Tag bis zu drei Monaten ermittelt werden, variieren im Herbst 2015 zwischen rund 45 und 115 Euro brutto. Im Vorjahr lag diese Spanne noch zwischen 70 und 140 Euro brutto.

Das Geschäft mit den günstigen Flugtickets erreicht einen neuen Höchstwert. Im Sommer 2015 haben die Fluggesellschaften im Niedrigpreissegment in und ab Deutschland 754 Strecken angeboten: Die ist ein Plus von rund 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ryanair in Europa dominant

Auffällig stark fällt das Wachstum bei den innerdeutschen Strecken aus, die um fünf Prozent zulegten, besonders befördert durch die weitere Verschiebung von Strecken der Lufthansa auf die Germanwings. Mit mittlerweile 300 Zielen im Sommerflugplan baut Germanwings die Spitzenstellung im deutschen Low Cost Verkehr aus.

Europaweit kann Ryanair seine Dominanz auf das Rekordniveau von 2500 Verbindungen steigern und strebt dabei weiter in den deutschen Markt mit zunehmendem Engagement an großen Flughäfen.

„26 Verbindungen mehr als im Vorjahr boten die 20 verzeichneten Airlines mit Low Cost Angeboten ab Deutschland an“, sagt Dr. Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr.

Spitzenreiter der grenzüberschreitenden Low Cost-Flugziele ist im Sommer 2015 Spanien mit 113 Verbindungen, dicht gefolgt von Italien mit 111 Verbindungen und Großbritannien mit 59 Verbindungen. Während Zypern wieder in das Angebot mit aufgenommen wurde, gibt es keine Flüge mehr nach Algerien.

Billigflieger haben den Markt im Griff

Nach der führenden Platzierung im Winter schiebt sich Germanwings nun ebenfalls im Sommerflugplan 2015 an die Spitze. „Zusammen mit den Low Cost Angeboten von AirBerlin dominieren beide Gesellschaften den Low Cost Markt in Deutschland mit jeweils rund 2200 Starts pro Woche gefolgt von Ryanair, Easyjet, Wizz und Vueling“, resümiert Studienleiter Berster. „Insgesamt vereinen die sechs größten Anbieter von Flügen im Low Cost Segment in diesem Sommer 92 Prozent des Marktes auf sich. 14 weitere Airlines führen die restlichen acht Prozent der Flüge durch.“

Im ersten Halbjahr 2015 nutzten auf den 26 internationalen und regionalen Verkehrsflughäfen in Deutschland rund 32 Millionen Passagiere Fluggesellschaften auf den Low Cost Strecken, was einem Anteil von 32 Prozent bei insgesamt 101 Millionen Fluggästen entspricht.

An den Flughäfen Düsseldorf und Hamburg gibt es unter anderem durch die Lufthansa-Umstrukturierung hin zu Germanwings, aber auch durch den Ausbau der Angebote von flybe, Easyjet oder Norwegian eine Zunahme im Low Cost Segment. In Köln ist das Angebot trotz Reduzierungen von AirBerlin und Germanwings geringfügig auf 640 Flüge pro Woche gewachsen aufgrund einer starken Erweiterung von Ryanair.

Im Low Cost Verkehr hat Berlin das höchste Aufkommen

In Lübeckt hat sich Ryanair komplett zurückgezogen und bietet stattdessen Flüge vom Flughafen Hamburg aus an. Die Berliner Flughäfen haben zusammen genommen mit rund sechs Millionen Passagieren weiterhin im Low Cost Verkehr das höchste Aufkommen aller Flughäfen in Deutschland. Wegen seiner ausgeprägten Drehkreuzfunktion im klassischen Linienverkehr spielt der verkehrsreichste Flughafen Deutschlands, Frankfurt, weiterhin nur eine untergeordnete Rolle im Bereich Low Cost.

Jüngst feierte Easyjet sein 20-jähriges Bestehen, Ryanair mittlerweile das 30-jährige. Beide Gesellschaften dominieren weiter das Billigflugangebot in Europa und vereinen auf sich einen Marktanteil von 42 Prozent. Dabei erreicht Ryanair mit 12.600 Starts pro Woche auf 2500 Strecken einen neuen Rekord. Easyjet folgt mit rund 10.000 Starts auf 1400 Verbindungen.

Der restliche europäische Low Cost Verkehr verteilt sich auf 23 weitere Airlines.

(Quelle: DLR / Foto: DLR)

gateurope-2015-11-12 21:59:41