Verkehrsforscher Stefan Trommer

Ist das Robotaxi die Zukunft?

Verkehrsforscher Stefan Trommer weiß, wer ein Elektroauto fährt, und auch, warum viele Menschen bislang mit dem Kauf zögern. Das hat er – gemeinsam mit Kollegen – in der größten Nutzerstudie zur Elektromobilität in Deutschland herausgefunden. Er selbst ist ein ganz klassischer Verkehrsteilnehmer. Vor Kurzem hat der Vater einer kleinen Tochter sein Motorrad verkauft und fährt sie jetzt mit dem Fahrrad oder mit der Familienkutsche in die Kita.

Stefan Trommer (unser Bild) denkt gerne vernetzt. Bei seinen Arbeiten als Verkehrsforscher verliert er nie den Blick für das ganze Verkehrssystem, für all die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer und ihre bestimmten Anforderungen an Komfort, Geschwindigkeit und natürlich die Kosten, um von A nach B zu kommen.

Menschen verändern ihr Mobilitätsverhalten nicht gerne, weiß der Verkehrsforscher, es sei denn, sie erkennen einen klaren Nutzen für sich. Und das ist die Krux bei der Elektromobilität. Denn: Außer einem guten Ökogewissen haben die Käufer von Elektroautos keine Vorteile. Die Fahrzeuge sind teuer, haben nicht dieselbe Reichweite wie Verbrennungsfahrzeuge und können nicht mal eben mit elektrischer Energie „betankt“ werden.

Derzeit ist es die Begeisterung für neue Technologien und ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein, was die Menschen heute zum Kauf eines Elektrofahrzeugs bringt. Stefan Trommer kennt die typischen Nutzer von Elektrofahrzeugen sehr genau: Bei der größten Nutzerstudie zur Elektromobilität hat das Institut für Verkehrsforschung 3.111 Fahrer befragt. Der durchschnittliche private Fahrer eines solchen Fahrzeugs ist männlich, überwiegend gut gebildet und verfügt über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen. Das Durchschnittsalter liegt mit 51 Jahren dabei leicht höher als bei Käufern von konventionellen Neuwagen.

Trotz der vielen Hindernisse wird sich die Elektromobilität nach und nach durchsetzen, davon ist Trommer überzeugt. Wie andere Forscher auch, geht er davon aus, dass die Marktdurchdringung über den gewerblichen Markt laufen wird: „Kurierdienste, Pflegedienste oder viele Dienstwagen fahren am Tag oft nicht mehr als 100 Kilometer und können am Abend wieder an der Steckdose hängen. Dadurch würde eine kritische Masse erzeugt, die Fahrzeuge würden günstiger im Preis werden und auch für private Nutzer interessant beziehungsweise über den Gebrauchtwagenmarkt verfügbar.“

Neben dem Umweltbewusstsein ist es inzwischen auch immer mehr der Spaß an der schnellen Beschleunigung, der Menschen zum Kauf eines Elektroautos animiert. „Warum nicht, wenn es funktioniert“, grinst Stefan Trommer. „Trotzdem müssen die Fahrzeuge günstiger werden, daran führt kein Weg vorbei.“

Mit ihrer Arbeit tasten sich die Forscher am Kölner Institut für Verkehrsforschung auch noch weiter in die Zukunft vor und fragen, wie unser Verkehrssystem aussieht, wenn wir eines Tages von autonomen Robotaxen durch die Gegend gefahren werden.

„Das wird unser Denken über Mobilität verändern“, glaubt Trommer. „Vielleicht bringen wir dann unsere Kinder nicht mehr selbst in die Kita oder zur Schule, sondern lassen sie sicher vom Robotaxi dort abliefern“. Für eine Nutzerstudie des Instituts für Mobilitätsforschung der BMW Group (ifmo) hat der Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen Interviews in China, den USA und Deutschland geführt, um den Einfluss von autonomen Technologien auf unser Mobilitätsverhalten zu bewerten.

Das autonome Fahren wird unser Verkehrssystem tiefgreifend verändern, ist sich Trommer sicher: „Das ist anders als bei der Einführung der Elektromobilität, wo nur der Antrieb ausgetauscht wird. Das ist ein neues Konzept und hat mit dem, was wir heute kennen, nicht mehr viel gemein.“

Wenn uns der Pkw autonom zum Ziel bringt und dazu noch vernetzt ist, können wir in Zukunft schon auf der Fahrt beginnen zu arbeiten: „Eventuell ist Pendelzeit für viele von uns eines Tages Arbeitszeit“, kann sich Trommer vorstellen.

„Die Länge des Arbeitswegs ist zukünftig vielleicht nachrangig und es zieht uns wieder mehr ins Grüne, wo auch die Kosten für Wohnen geringer sind. Welchen Einfluss wird dies dann auf den Öffentlichen Personennahverkehr, wie wir ihn heute kennen, haben?“ Viele Fragen lassen sich nicht abschließend beantworten, trotzdem muss man sie diskutieren: „Nur so können Städte die richtigen Maßnahmen ergreifen und die Einführung der Technologien in ihrem Sinne regulieren. Die Politik muss wissen und entscheiden, wie sie mit diesen möglichen Umbrüchen umgehen will.“

Seinem Motorrad trauert Stefan Trommer etwas hinterher, er hofft, dass er nach der Familienphase damit wieder loslegen kann. Jetzt spielt erst einmal die Sicherheit und Flexibilität eine größere Rolle in seinem Mobilitätsverhalten – er würde für einen Assistenten, der gelegentlich das Steuer übernehmen kann, gern einen Aufpreis bezahlen: „Wenn ich weiß, dass meine Familie mit dieser Technik an Bord sicherer ist. In jedem Fall sinnvoller als Ledersitze, Leichtmetallfelgen oder als eine Standheizung für die wenigen echten Wintertage.“

(Quelle: DLR / Dorothee Bürkle / Foto: DLR / Tennert)

gateurope-2015-11-23 21:57:27