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„Kalender durch neue Zeitrechnung ersetzen“

Passend zur Jahreswende erscheint ein aufsehenerregendes Buch über das Wesen unserer Jahreszählung: Weltweit herrscht die christliche Zählung nach Anno Domini (A.D.) vor. Die Geburt Christi und damit der Beginn der christlichen Zeitrechnung wurde aber erst rückwirkend im frühen 6. Jahrhundert durch den skythischen Gelehrten Dionysius Exiguus eingeführt.

Er kalkulierte für das Jahr 2000 das Ende der Welt mit der Wiederkehr Christi. Entsprechend wurde der A.D.-Kalender quasi als Countdown zur Apokalypse so angelegt, dass eine extrem seltene, damals schon berechenbare Konjunktion aller Planeten genau ins Jahr 2000 fällt. Die Endzeit blieb freilich aus. Geblieben ist ein esoterisches Kalendersystem, das nicht mit realen und astronomischen Fakten übereinstimmt.

In seinem Buch „Endzeit: Die Geschichte der christlichen Zeitrechnung“ klärt der Kalenderexperte und Archäoastronom Sepp Rothwangl über die Hintergründe verschiedener Zeitrechnungssysteme auf. Der Waldbauer und Autodidakt, der sich seit seiner Jugend für Sternenkunde in Verbindung mit Mythen und Religion begeisterte, (z.B. erforschte er den Teufelstein, „steirische Stonehenge“) legt nun das Opus Magnum zur Anno Domini Zeitrechnung vor.

Das Buch zeigt nicht nur, wie die frühen Christen in Anlehnung an antike Mythen und die Apokalypse Anno Domini erstellt haben. Es ist eine Geschichte der Jahreszählungen überhaupt. Mit einer Vielzahl von Originalzitaten und Bildern untermauert, eröffnet es auch Perspektiven für eine „säkularisierte Zeitrechnung“.

So steht der biblische Mythos, wonach Herodes die Tötung des neugeborenen Jesus angeordnet hat, in grobem Widerspruch zu A.D., denn Herodes starb bereits 4 Jahre vor der Zeitrechnung nach Christi Geburt. So entlarvt Buchautor Rothwangl den Kreuzigungstermin als kalendarisch unmöglich: Es gab in der fraglichen Zeit keinen Pessachtermin, der mit den Wochentagen und dem Vollmond übereinstimmt.

Auch die erwähnte Sonnenfinsternis zur Kreuzigung Christi ist Utopie, denn eine Sonnenfinsternis kann nur bei Neumond auftreten. Das überlieferte Pessachfest am Tag nach der Kreuzigung war jedoch an den Frühlingsvollmond gebunden. Rothwangl analysiert mit präzisen astronomischen Berechnungen und zeigt, dass eine mögliche Geburt Christi nicht im Jahr 1 A.D. gewesen sein konnte.

„Unser Kalender basiert auf einem überholten, abergläubischen, apokalyptischen Weltbild mit fehlerhafter astronomischer Berechnung. Heute versucht man ausschließlich mit dem SI, dem metrischen Einheitssystem, zu normieren und mit Naturkonstanten in Einklang zu bringen. Daher sollte unser päpstlicher Gregorianischer Kalender durch eine neue Zeitrechnung ersetzt werden, empfiehlt Rothwangl.

Auch Wissenschaftler schätzen das neue, bei der edition innsalz erscheinende Werk hoch ein: „Der Autor zeigt uns, dass unser Kalender, den wir als etwas Alltägliches und Selbstverständliches ansehen, ein klerikales Herrschaftsinstrument ist“, so der Historiker Dr. Werner Heinz.

Und der Astronom Prof. Ronald Weinberger ergänzt: „Die Zeit, genauer gesagt die Zeitrechnung, geht uns alle an. Dieses wichtige Werk beschreibt einen unverzichtbaren und unentrinnbaren Teil unseres Lebens. Es bietet nicht bloß ein erweitertes Wissen darüber, wie sich die Menschen den Zeitenlauf erschlossen haben, sondern auch mannigfache, bisweilen sogar etwas verstörende Informationen darüber, auf welch tönernen Füßen die heute von uns angewendete Zeitrechnung steht.“

Endzeit: Die Geschichte der christlichen Zeitrechnung; Sepp Rothwangl; 232 Seiten; 19,80 EUR; edition innsalz; ISBN 978-3-902981-81-3; Hardcover.

(Quelle: OTS / Foto: GATEUROPE)

gateurope.de-2015-12-22 15:49:40