Kleine, kulinarische Tour durch das Alentejo

Das Alentejo, eine Region im Herzen Portugals, galt lange Zeit als Kornkammer des Landes und hat sich heute zutage der Produktion von lokalen Spezialitäten verschrieben. So gelten allein drei Alentejo-Regionen als Hochburgen der traditionellen Käseherstellung. Auf 150.000 Hektar erstrecken sich Olivenhaine, die maßgeblich die Landschaft der größten Region Portugals prägen und auch Austern werden wieder an der Küstenregion gezüchtet.

Bis in die späten 1960er Jahre galt die Region rund um Setúbal als größtes Austernzuchtgebiet Europas und exportierte die „Les Portugaises“ vor allem nach Frankreich. Aufgrund von Umweltbelastungen und Missmanagement waren die Zucht-Bänke bald leer. Zum Glück erholte sich die Region in den letzten Jahren so sehr, dass die natürlichen Austernbänke in den Flüssen Sado und Mira seit einiger Zeit wieder tragen. Aufgrund des speziellen Phytoplanktons haben die Austern einen unverkennbaren Geschmack und als Delikatesse bei Einheimischen und Besuchern.

Kommen wir zum Käse: Die Alentejo-Regionen Nisa, Évora und Serpa gelten als Hochburgen der traditionellen Herstellung. Als Grundlage dient rohe Schafs- oder Ziegenmilch, die mit dem Aufguss einer Distelart verfeinert wird. Im Norden wird der Käse mit fester Rinde und kleinen Käselöchern produziert, in Évora wiederum, ist er fest bis halbfest mit wenigen oder gar keinen Löchern. Am bekanntesten ist der buttrige Schafskäse aus Serpa.

Auf 150.000 Hektar erstrecken sich Olivenbäume im Alentejo und prägen maßgeblich die Landschaft der größten Region Portugals. Dabei geben die Jahrhunderte alten Bäume nicht nur ein skurilles Fotomotiv ab, sondern auch ihre Früchte zur Herstellung des Öls. Drei Native und Extra-Native Olivenöle aus der Region tragen die geschützte Ursprungsbezeichnung PDO: Azeite de Moura, Azeite do Norte Alentejano und Azeite do Alentejo Interior. Unbedingt probieren: Die Tiborna, ein warmes, in Olivenöl getauchtes Brot.

Mit einer eigenen Messe wird Ende Februar der Käse im Alentejo gefeiert: Auf der Feira do Queijo do Alentejo in Serpa werden lokale, regionale und internationale Käsespezialitäten gezeigt und verköstigt. Abgerundet wird die Veranstaltung durch weitere Köstlichkeiten wie Oliven, Würste, Weine, Brote und Olivenöle, die auf Ständen rund um das Messegelände probiert werden können.

Im Sommer lädt das 10-tägige Festival Tasquinhas Summer Cuisine in das Küstenstädtchen Sines. An zahlreichen Food-Ständen können sich Besucher durch die regionale Küche schlemmen. Und im November wird der Esskastanie gehuldigt: In der Ortschaft Marvão an der östlichen Grenze Portugals können sich Besucher bei der Feira da Castanha e Festa do Castanheiro den Bauch mit frischgerösteten Esskastanien vollschlagen.

Besucher können die Köstlichkeiten auf 17 verschiedenen Routen in fünf Gebieten quer durch die südliche Region zwischen Lissabon und der Algarve entdecken. Dank der Online-Broschüre „From Farm to Table“ LINK können Reisende Käsereien, Destillerien, Olivenhaine, Weingüter, Restaurants und vieles mehr rund um das Thema Kulinarik in ihre Reiseplanung einbeziehen und das kulinarische Herz Portugals erkunden. Zusätzlich informiert die Broschüre auch über Unterkünfte und Veranstaltungen in den einzelnen Orten.

So kombiniert die Route 2 entlang der Alentejo-Küste Strand, Kultur und Kulinarik. Der Sandstrand von Santo-André liegt inmitten eines Naturschutzgebietes und wird auf der einen Seite vom Atlantik und auf der anderen Seite von den ruhigen Wassern der Lagune umspült. Wer sich genügend ausgeruht hat, macht sich von dort auf den Weg zur Ölmühle von Abela, die die gesamte Olivenernte der Region verarbeitet. Hier liegt auch das Museum für Landarbeit, das einen Einblick in die alltägliche und meist beschwerliche Arbeit der Landbevölkerung gewährt.

Weiter geht es zu einer Präsentation der Honigherstellung bei Apicortes in Bicos. Die ungewöhnlichen Honigsorten mit Rosmarin oder Eukalyptus sind weit über die Landesgrenzen bekannt. Zum Abschluss des Tages empfiehlt sich eine Weinprobe auf dem Weingut Herdade do Cebolal, wo die Trauben noch handgelesen und nahe des Weinguts verarbeitet werden. Im Fischerhafen von Sines findet der Tag einen wohlverdienten Ausklang.

Dass Portugal kulinarisch mehr zu bieten hat als Wein und Oliven, erleben Besucher auf der Route 14 durch das Zentrum der Region Alentejo. Fleischliebhaber sollten der Wurstfabrik von Apolinário Arvana einen Besuch abstatten, denn das junge Unternehmen verwendet für seine Würste unter anderem feinstes Fleisch vom schwarzen Alentejo-Schwein.

Leckermäuler kommen dagegen auf dieser Route in der Konditorei Pastelaria Landroal auf ihre Kosten. Zu den Spezialitäten zählen der Mandelkuchen Pêro-Rodrigues und die erste glutenfreie Version der beliebten Puddingteilchen Pastéis de Nata. Neben Wein können Besucher in der historischen Stadt Évora auch die lokale Craft-Beer-Szene erkunden oder den ersten Organic Gin der Iberischen Halbinsel verköstigen.

Die gastronomische Route 16 durch den Norden des Alentejo startet in der Grenzstadt Elvas, deren historischer Ortskern 2012 als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Elvas gilt als kulinarische Wiege des Bacalhau Dourado (Stockfisch mit Eiern und Zwiebeln) und der eingelegten Pflaumen, die den süßen Nachtisch Sericaia begleiten.

Direkt vor den Toren der Stadt liegt die 1928 gegründete Salsicharia Escarduça. Die hier produzierten Würste werden bereits in vierter Generation hergestellt. Auch das Weingut Reynolds Wine Growers befindet sich seit Generationen in Familienhand. Die Familie kam vor knapp 200 Jahren von England nach Portugal und fand im Alentejo ihr neues Zuhause. Besucher können nicht nur das Weingut besichtigen und Weine verköstigen, sondern sich nach vorheriger Anmeldung auch mit frischen Zutaten direkt vom Hof bekochen lassen.

(Quelle: Tourismo de Portugal / Foto: Tourismo de Portugal)

gateurope.de_2017-08-01 15:58:47