Meeres-Fischfang wird nachhaltiger

Fischer mit Netzen auf Sizilien

Ein umfassender Bericht des MSC anlässlich des internationalen Tages der Meere am 8. Juni zeigt, dass sich der Anteil nachhaltiger Fischerei am Gesamt-Fischfang in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt hat, und dass dies zu zahlreichen messbaren positiven Veränderungen in unseren Meeren geführt hat.

Kamen noch 2010 nur knapp 5 Prozent der globalen Fangmenge (4,5 Millionen Tonnen) aus nachhaltiger MSC-zertifizierter Fischerei, sind es heute fast 10 Prozent (8,8 Millionen Tonnen). Über 280 MSC-zertifizierte Fischereien weltweit holen diesen Fang an Land und beliefern damit über 3.000 zertifizierte fischverarbeitende und -verkaufende Unternehmen in über 100 Ländern.

Besonders erfreulich sind die Entwicklungen beim Thunfischfang: Thunfisch ist die zweithäufigste gefangene Gattung der Welt und aufgrund seiner hohen Migrationsrate besonders anfällig für Überfischung. Daher ist es als großer Erfolg zu sehen, dass nun 25 Prozent der globalen Thunfischfänge das MSC-Siegel tragen und somit 10 der weltweit 23 Thunfischbestände auf nachhaltige Art und Weise befischt werden.

Die belegten Verbesserungen, welche die MSC-zertifizierte Fischereien in unseren Ozeanen bewirken konnten, sind ebenso vielfältig wie diese Fischereien selbst. Bei der Fischerei auf Schwarzen Seehecht im Südindischen Ozean beispielsweise konnte eine vormals hohe Beifangrate des gefährdeten Sturmvogels durch modifiziertes Fanggeschirr und eine Fangpause während der Brutzeit auf nur noch drei Vögel pro Jahr gesenkt werden. Bei den zertifizierten Hummerfischereien in Frankreich haben die MSC-Anforderungen zu einem engen Datenaustausch zwischen Fischerei und Wissenschaft geführt. Infolgedessen konnten die Bestandsgrößenberechnung und das Fischereimanagement optimiert werden.

Im Nordostatlantik, von der Westküste Portugals über Grönland bis zur Barentssee, ist die Biomasse der rund 60 Fischbestände, die dort von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden, deutlich angestiegen und liegt sichtbar über den Bestandsgrößen bei nicht-zertifizierten Fischereien. Der Grad der Befischung wurde bei MSC-zertifizierten Fischereien wo nötig vermindert, wohingegen der Befischungsgrad bei nicht-zertifizierten Fischereien trotz EU Fischereipolitik bis heute meist zu hoch ist, um langfristig produktive Fischbestände gewährleisten zu können.

Das Gros der zertifizierten nachhaltigen Fischereien ist in europäischen und nordamerikanischen Gewässern anzutreffen. Zunehmend wurden in den vergangenen Jahren jedoch auch Fischereien in anderen Teilen der Welt zertifiziert, darunter die ersten Fischereien aus den beiden großen Fischfangnationen China und Indien. 20 Fischereien aus Schwellen- und Entwicklungsländern sind aktuell MSC-zertifiziert, weitere 15 befinden sich in Bewertung.

Der aktuelle Fortschrittsbericht zeigt auch, dass das MSC-Programm bei vielen Fischereien bereits zu Verbesserungen führt, lange bevor diese in einen offiziellen Zertifizierungsprozess treten. „Der MSC-Standard hat uns sehr dabei geholfen, mit unseren Fischereien Informationslücken und kritische Bereiche zu identifizieren, Managementpläne zu entwickeln und den Status ihrer Nachhaltigkeit einzuschätzen“, so Elizabeth Mueni, Fischereibeauftragte der kenianischen Regierung. In vielen Ländern des Globalen Südens unterstützt der MSC, gemeinsam mit örtlichen Partnern aus Politik, Industrie, Handel und anderen Umweltorganisationen, sogenannte Fischereiverbesserungsprojekte, um die Entwicklungen hin zu einer nachhaltigen Arbeitsweise voranzutreiben.

„Der MSC konnte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Fischereien und Unternehmen rund um den Globus zu einer nachhaltigeren Arbeitsweise bewegen oder darin bestärken. Fischbestände und Lebensräume im Meer profitieren von diesen gemeinsamen Anstrengungen von Fischereien, Handel und Verbrauchern rund um den Globus. Unser oberstes Ziel, dass eines Tages alle Fischereien weltweit nachhaltig arbeiten, liegt noch ein gutes Stück entfernt, aber wir sind erwiesenermaßen auf einem sehr guten Weg dorthin“, fasst Stefanie Kirse, Programmdirektorin des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Ergebnisse des vierten Fortschrittberichts zusammen.

(Quelle: OTS / Foto: GATEUROPE)

gateurope.de_2016-06-09 20:32:17