Feuerkugel

Meteoriten-Feuerkugel ging ins Kamera-Netz

Die Erde ist einem ständigen Bombardement von kleinen und großen kosmischen Körpern, den sogenannten „Meteoroiden“, ausgesetzt. Pro Jahr regnen tausende Tonnen dieser Materie aus dem Weltall auf die Erdatmosphäre herab. Nur sehr selten kommt es vor, dass ein außerirdischer Festkörper als sogenannter „Meteorit“ den Boden erreicht, der zuvor als leuchtende Feuerkugel seine Bahn über den Himmel zieht.

Die meiste Substanz dieser Körper geht durch Abrieb infolge der hohen Geschwindigkeit in der Hochatmosphäre verloren. Mit den Meteorkameras des Feuerkugelnetzes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kann die Bahn solcher Meteoroiden aus mehreren Richtungen erfasst und im Idealfall deren Herkunftsregion sowie der Ort eines möglichen Meteoritenfalls rekonstruiert werden – so auch für den Meteoriten, der am 15. März 2015 am Himmel zu sehen war und dessen Bruchstücke den Berechnungen nach in der Schweiz auftrafen.

Zahlreiche Augenzeugen

Zahlreiche Augenzeugen beobachteten am 15. März gegen 20.44 Uhr mitteleuropäischer Zeit einen auffallend hellen Meteor von grüner Farbe über Südwestdeutschland und der Schweiz. Diese Feuerkugel ist von sieben fotografischen Meteoritenüberwachungsstationen des DLR registriert worden.

Durch die Meteorkameras des DLR-Feuerkugelnetzes konnte die Eintrittsgeschwindigkeit des Meteoroiden in die Erdatmosphäre präzise bestimmt werden: Sie betrug 21,6 Kilometer pro Sekunde, das entspricht etwa 78.000 Kilometern in der Stunde. Die Bahnspur des Meteors verlief mit einer Neigung von nur 13,6 Grad gegen die Horizontale sehr flach.

Bei seinem Leuchtflug von knapp 16 Sekunden Dauer und 300 Kilometer Länge mit einem Azimut von 195,2 Grad, also fast genau von Nord nach Süd, raste der Meteoroid über den westlichen Teil des Bodensees und bewegte sich weiter über Schweizer Gebiet. Das Helligkeitsmaximum dürfte die Feuerkugel in rund 42,5 Kilometer Höhe über dem östlichsten Zipfel des Zürichsees erreicht haben.

Leuchtspur auch von Webcams erfasst

Die tiefste Registrierung erfolgte in 29,9 Kilometer Höhe über Tujetsch im Schweizer Kanton Graubünden. Zudem wurde die Leuchtspur der Feuerkugel auch von einigen Videokameras und Webcams erfasst.

Ein Amateurastronom aus Stappenbach in Oberfranken fotografierte den Meteor zufällig mit einem Teleobjektiv sogar schon zwei Sekunden früher als die erste DLR-Kamera, in 96,3 Kilometer Höhe.

„Nach den Ergebnissen der Auswertung kam es offensichtlich bei diesem Meteor-Ereignis zu einem Meteoritenfall“, sagt DLR-Wissenschaftler Jürgen Oberst. „Aus der geringen Abbremsung des Objekts über die Länge der atmosphärischen Wegstrecke kann man schließen, dass der Körper eine Anfangsmasse von mehr als 100 Kilogramm gehabt haben muss.“

Nur wenige Kilogramm kamen am Boden an

Davon sind durch Ablation des Meteoroiden nur wenige Kilogramm am Boden angekommen. Wertvolle Hinweise über die Anzahl der Fragmentierungen lieferten Schweizer Erdbebenstationen, die den Knall beim Zerbersten der Feuerkugel registrierten.

Das mutmaßliche Streufeld, in dem die Meteoriten gelandet sind, ist aufgrund des sehr flachen Eintrittswinkels und des mehrfachen Zerbrechens des Körpers sowie durch Einfluss starker Höhenwinde etwa 30 Kilometer lang und rund vier Kilometer breit.

Es erstreckt sich über Hochgebirgsregionen in den Schweizer Kantonen Schwyz, Uri, Graubünden und Tessin. Spontane Meteoritenfunde sind zwar extreme Glücksfälle, ganz aussichtslos sind Bemühungen allerdings in diesem Fall nicht.

„Chancen für Fund nicht schlecht“

„Wenn man sich Zeit nimmt und das Gelände systematisch absucht, sind die Chancen für einen Fund gar nicht so schlecht und jetzt ist die perfekte Zeit für eine Meteoritensuche“, erklärt DLR-Planetenforscher Oberst.

Dieser Fall erinnert an die große Feuerkugel vom 6. April 2002, die aus Tirol kommend ihr Ende über dem bayerischen „Märchenschloss“ Neuschwanstein nahm und ebenfalls aufgrund bester Beobachtungsbedingungen von mehreren DLR-Stationen aufgezeichnet wurde.

Viele Menschen Zeugen des Phänomens

Damals konnte der Fallort auf etwa drei Quadratkilometer eingegrenzt werden – 2002 und 2003 – wurden dort tatsächlich drei größere Meteoriten geborgen. Dadurch, dass der aktuelle Meteorit in den frühen Abendstunden des 15. März 2015 über das Voralpenland und die Schweiz hinweg zog, wurden wie bei „Neuschwanstein“ viele Menschen zufällig Zeugen dieses seltenen Phänomens.

Das Europäische Feuerkugelnetz wird gemeinsam von dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin und dem Observatorium Ondrejov in Prag betreut. 25 Kamerastationen in Deutschland, der Tschechischen Republik, Österreich und Luxemburg decken insgesamt eine Fläche von einer Million Quadratkilometern ab.

(Quelle: DLR / Foto: DLR)

gateurope-2015-08-10 19:13:24