Neu aufgenommene UNESCO-Welterbestätten in Europa

Aphrodisias-Tempel in der Tuerkei

Das UNESCO-Welterbekomitee hat im Rahmen seiner 41. Sitzung im Juli 2017 in Krakau insgesamt 21 Stätten in die Liste des Welterbes aufgenommen. Die Grenzen von fünf Welterbestätten wurden angepasst. Die Stätte „Bagrati-Kathedrale und Kloster Gelati“ wurde ganz aus der Liste gestrichen. Hier die Darstellung der neuen oder geänderten Stätten in Europa.

Die Alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas

Die bisherige Stätte „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ mit Teilgebieten in der Ukraine, Slowakei und Deutschland ist nunmehr um 63 Teilgebiete in 10 Ländern erweitert. Zusammen bilden die Teilgebiete ein außergewöhnliches Beispiel für die herausragende Entwicklung eines terrestrischen Ökosystems und der Entwicklung von Lebensgemeinschaften seit der letzten Eiszeit.

Eine subarktische Agrarlandschaft in Grönland (Dänemark): Kujataa

Kujataa ist eine subarktische Agrarlandschaft im Süden Grönlands. Die umliegende Landschaft ist von der Eiskappe, hohen Bergen, Wildnis und tiefen Fjords geprägt, die die Kujataa-Tiefebene und das dortige Lokalklima schützen und dadurch landwirtschaftliche Aktivitäten ermöglichen.

Die Stätte besteht aus fünf Komponenten, die zusammen das demographische und administrative Kernstück zweier historischer Jagd- und Bauernkulturen bilden: eine nordisch-grönländische Kultur aus dem späten 10. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts und eine europäisch beeinflusste Inuit-Kultur von den 1780er Jahren bis heute. Die Landschaft zeugt von der frühesten Einführung der Landwirtschaft in der Arktis und der nordischen Besiedlung jenseits von Europa.

Ein außergewöhnliches Zeugnis (Frankreich): Taputapuātea

Die Region Taputapuātea liegt auf der Insel Raiatea im Zentrum des Polynesischen Dreiecks. Dieses großräumige Gebiet im Pazifik mit verstreuten Inseln wurde als eine der letzten Regionen der Erde vom Menschen besiedelt.

Zur Stätte gehören zwei bewaldete Täler, ein Teil einer Lagune und eines Korallenriffs sowie ein Streifen offenes Meer. Im Herzen der kulturellen und marinen Landschaft befindet sich der Marae Taputapuātea, eine Anlage mit politischer und zeremonieller Bedeutung, auf der auch Bestattungsriten durchgeführt wurden. Der Marea besteht aus einer gepflasterten Plattform, in dessen Mitte ein hoher Stein errichtet wurde. Die in Polynesien weit verbreiteten Marae waren Orte des Austausches zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Vorfahren. Taputapuātea ist ein außergewöhnliches Zeugnis von 1.000 Jahren der Mā’ohi-Zivilisation.

Gestrichen: „Bagrati-Kathedrale und Kloster Gelati“ (Georgien)

Die 1994 in die Welterbeliste eingetragene Stätte „Bagrati-Kathedrale und Kloster Gelati“ in Georgien wird auf die Stätte „Kloster Gelati“ reduziert. Durch die Rekonstruktion der Bagrati-Kathedrale ist deren Authentizität unwiederbringlich verloren. Die verkleinerte Stätte besteht nunmehr lediglich aus dem Kloster Gelati. Die Stätte „Bagrati-Kathedrale und Kloster Gelati“ war 2010 in die Liste des gefährdeten Welterbes eingetragen worden. Durch die Reduzierung der Stätte wurde sie von dieser Liste gestrichen.

Das Venezianisches Verteidigungssystem des 15. bis 17. Jahrhunderts in Italien, Kroatien, Montenegro

Die Stätte umfasst sechs Komponenten eines Verteidigungssystems, das sich über mehr als 1.000 Kilometer zwischen der italienischen Region der Lombardei und der Ostküste der Adria in Kroatien und Montenegro erstreckt. Die Festungsanlagen des Stato da Terra, einer von drei Regionen des früheren venezianischen Herrschaftsgebietes, schützten die Republik Venedig im Nordwesten, während die Befestigungsanlagen des Stato da Mar die Meeresstraßen und die Häfen der Adria in Richtung Levante absicherten.

Die Anlagen waren Voraussetzung für den Machterhalt und die Expansion der Serenissima zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert. Die mit der Einführung des Schießpulvers einhergehenden Veränderungen in den militärischen Techniken und Bauweisen spiegeln sich in den Entwürfen dieser modernen Festungsanlagen, die sich in ganz Europa ausbreiten sollten.

Die Daurische Landschaften in der Mongolei (Russische Föderation)

Daurien ist eine Gebirgsregion, die sich vom Osten der Mongolei bis ins russische Sibirien und den Nordosten Chinas erstreckt. Sie stellt in einzigartiger Weise das Ökosystem der daurischen Steppe dar.

Die Feuchtwiesen, Waldsteppen und Steppenseen sind Lebensraum für seltene Tierarten wie den Weißnackenkranich oder die Großtrappe sowie für Millionen von gefährdeten oder bedrohten Zugvögeln. Darüber hinaus ist es ein wichtiges Gebiet auf der Wanderroute der Mongolischen Gazelle.

Die Blei-Silber-Zink-Mine von Tarnowskie Góry und ihr unterirdisches Wassermanagementsystem in Polen

Die oberschlesische Blei-Silber-Zink-Mine von Tarnowskie Góry und ihr unterirdisches Wassermanagementsystem befinden sich in Südpolen, ungefähr 180 km südöstlich von Breslau. Die nominierte Stätte umfasst die gesamte unterirdische Mine und ihr Wasserablaufsystem, welches im 15. und 16. Jahrhundert entwickelt, und bis ins 19. Jahrhundert erweitert wurde.

Das Wasserablaufsystem besteht aus insgesamt 50 km Hauptentwässerungsstollen und einem 150 km umfassenden, sekundären Entwässerungssystem. Tarnowskie Góry war ein wichtiger Standort in der weltweiten Blei- und Zinkproduktion. Das hier gewonnene Blei deckte lange Zeit einen Großteil des weltweiten Bedarfs und wurde vor der Entwicklung des Quecksilberverfahrens in den Abbau- und Verarbeitungsverfahren in den Silberminen Neuspaniens eingesetzt.

Die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale der Inselstadt Swijaschsk (Russische Föderation)

Die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale auf der Inselstadt Swijaschsk ist Teil des gleichnamigen Klosters. Die Inselstadt befindet sich an der Einmündung der Swijaga und Schchuka in die Wolga und an der Kreuzung der Seidenstraße und der Wolga im östlichen Teil des europäischen Russlands.

Swijaschsk wurde 1551 von Zar Iwan IV., dem Schrecklichen als Vorposten für die Eroberung der Stadt Kasan gegründet. Die Lage und Architektur des Mariä-Himmelfahrts-Klosters veranschaulichen das Politik- und Missionierungsprogramm von Zar Iwan IV. zur Erweiterung des Moskauer Reichs. Die Fresken der Kathedrale sind eines der seltenen Beispiele orthodox-orientalischer Wandmalereien.

Die antike Stadt Aphrodisias in der Türkei

Die antike Stadt Aphrodisias liegt im Südwesten der Türkei und besteht aus zwei Komponenten: der archäologischen Stätte von Aphrodisias und dem nordöstlich davon gelegenen Marmorsteinbruch. Die Stadt Aphrodisias entstand im 2. Jahrhundert v. Chr. im Zuge der Verbreitung der hellenistischen Kultur im südöstlichen Anatolien.

Der namensgebende Aphrodite-Tempel (unser Foto oben) stammt bereits aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Der Reichtum der Stadt rührte von dem Steinbruch und den Kunstwerken der Bildhauer von Aphrodisias her. Das Stadtbild ist durch große öffentliche Bauten geprägt, insbesondere sind dies mehrere Tempel, ein Theater, eine Agora und Bäder.

Der englische Lake District im Vereinigten Königreich

Die Täler des Lake Districts, einer Gebirgsregion im Nordwesten Englands, entstanden in der Eiszeit und wurden später durch eine land- und weidewirtschaftliche Nutzung geprägt, die besonders durch die ummauerten Felder sichtbar wird. Die Wechselwirkung von natürlichen Gegebenheiten und menschlichen Aktivitäten hat eine harmonische Landschaft hervorgebracht, in der sich Berge in Seen spiegeln.

Bedeutende Villen, Gärten und Parks wurden erbaut und angelegt, um die Landschaft weiter zu verschönern. Ab dem 18. Jahrhundert verehrten Künstlerinnen und Künstler der englischen Romantik die malerische Landschaft und widmeten ihr Gemälde, Skizzen und Schriften.

Neu in die Liste der Weltkulturerbestätten wurde auch die Eiszeitkunst aus Baden-Württemberg aufgenommen.

(Quelle: UNESCO / Foto: © Aphrodisias Museum)

gateurope.de_2017-07-11 16:19:35