Comic Sterret Polly

Pioniere des Comic – Eine andere Avantgarde

Die Ausstellung „Pioniere des Comic“ zeigt ca. 230 seltene Comic-Seiten von 1905 bis in die 1940er-Jahre, darunter viele sehr seltene Originalzeichnungen der Comic-Künstler, von denen die Mehrzahl in der Schirn erstmals öffentlich zu sehen ist. Auch Wechselwirkungen zwischen Comic-Werken und Entwicklungen der bildenden Kunst jener Zeit werden deutlich. Von den ehemals Millionen Comic-Seiten der Pionierjahre sind heute nur noch wenige Exemplare erhalten. Engagierte Privatsammler erkannten rechtzeitig – entgegen der öffentlichen Meinung – die künstlerische Wertigkeit.

Spektakulär, groß und in Farbe, eroberte der Comic ab 1897 sein Publikum. Bürgertum, Arbeiterklasse und ein Heer von Einwanderern waren gleichermaßen fasziniert von den unbekannten Seherfahrungen, die ihnen in den US-amerikanischen Tageszeitungen begegneten. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 23. Juni bis 18. September 2016 die erste umfassende Themenausstellung zu den „Pionieren des Comic“, die experimentierfreudig und progressiv die künstlerischen und inhaltlichen Maßstäbe des frühen Comics setzten.

Die Ausstellung stellt sechs für die Kulturgeschichte des Comics herausragende, vornehmlich US-amerikanische Zeichner vor: Winsor McCay, Lyonel Feininger, Charles Forbell, Cliff Sterrett, George Herriman und Frank King.

Unvergessen sind Herrimans absurder Humor in Krazy Kat (ab 1913), die surrealistischen und expressionistischen Bildwelten von McCay (ab 1904) und Sterrett (ab 1912), Feiningers Comic-Serien für die Chicago Tribune (1906/07) oder der über drei Jahrzehnte in Echtzeit erzählte Comic Gasoline Alley von King (ab 1921). Mit Forbells Gesamtkunstwerk Naughty Pete (1913) kann in der Schirn außerdem ein vergessener Zeichner wiederentdeckt werden.

Die Verbreitung des Comics im frühen 20. Jahrhundert basierte auf dem kometenhaften Aufstieg der Zeitung. Immer leistungsstärkere Druckmaschinen und der sinkende Papierpreis machten sie finanziell erschwinglich. Dies führte zu einer Explosion und Demokratisierung der Bilder und schuf mit den darin enthaltenen Comic-Beilagen das erste Bildmassenmedium der Geschichte.

Ein einziges New Yorker Verlagshaus konnte mit nur einer Zeitungsausgabe täglich ein Millionenpublikum erreichen. Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, legten findige Verleger wie zuerst Joseph Pulitzer (1847–1911) den Sonntagszeitungen Magazin-Supplements bei, darunter auch solche mit Comics – groß und in Farbe gedruckt.

Zusammen mit den Ein-Zeilen-Streifen

in den Werktagsausgaben bildeten diese Comic-Strips die Königsdisziplin, der erst in den späten 1930er-Jahren das heute geläufige Comic-Book (Comic-Heft) folgte. Im hart umkämpften Zeitungsmarkt bedeutete Comic Macht. Der Wachstum oder Niedergang einer Zeitung entschied sich nicht mit der Qualität der Leitartikel, den Wirtschaftsnachrichten oder dem Sportteil, sondern mit der Popularität ihrer Comic-Strips.

So wurde der legendäre Zeitungskrieg von 1895 bis 1898 zwischen Pulitzer und William Randolph Hearst (1863–1951) über die Comic-Beilagen ausgetragen. Der frisch aus San Francisco nach New York gekommene Verleger Hearst warb Pulitzer 1891 etwa dessen gesamten Zeichnerstab ab, um sein eigenes Zeitungsimperium zu stärken.

Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt: „Mit der Ausstellung ,Pioniere des Comic‘ leistet die Schirn Kunsthalle Frankfurt Pionierarbeit im wörtlichen Sinne. Der künstlerische und kunsthistorische Wert des Comics wird bis heute als Unterhaltung und Populärkultur unterschätzt. Fast alle der erhaltenen frühen Comic-Seiten befinden sich heute in privaten und nicht in öffentlichen Sammlungen. Familien und Kunstliebhaber erwartet in der Schirn eine überraschende Ausstellung: Kleintierslapstick zwischen Katz und Maus neben surrealistischen Traumwelten, expressionistischen Landschaften und kubistisch anmutenden Bildwelten – ein direktes Neben- und Miteinander von hervorragender Unterhaltung und großer Kunst.“

Zur Ausstellung erscheint ein grundlegender wissenschaftlicher Katalog.
Katalog: Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde. t. Ausgabe, ca. 272 Seiten, ca. 300 Abbildungen, 31 x 24 cm (Hochformat); Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2016, ISBN 978-3-7757-4110-1.

Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, 60311 Frankfurt
Dauer: 23. Juni – 18. September 2016
Information: www.schirn.de
Eintritt: 7 €, ermäßigt 5 €; freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren

(Quelle: Schirn Kunsthalle / Foto: Schirn Kunsthalle)

gateurope.de_2016-05-25 11:34:06