SOER 2015: Politikziele unzureichend

Sizilianische Fischer

Besser, aber europaweit noch lange nicht gut: Dank der im Rahmen der europäischen Umwelt- und Klimapolitik ergriffenen Maßnahmen konnten bereits erhebliche Fortschritte erzielt werden: der Zustand der Umwelt und die Lebensqualität wurden verbessert und gleichzeitig wurden Innovationen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und das Wachstum gefördert.

Doch Europa muss sich weiterhin einer Reihe andauernder und zunehmender ökologischer Herausforderungen stellen.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, werden grundlegende Veränderungen in den Produktions- und Konsumsystemen erforderlich sein, die die Hauptursache der ökologischen Probleme darstellen. Dies sind einige der Kernaussagen der fünfjährlichen Beurteilung „Die Umwelt in Europa: Zustand und Ausblick 2015en“ (SOER 2015) der Europäischen Umweltagentur (EUA), die Anfang März veröffentlicht wurde.

Ausgewählte Fakten und Trends:

Natürliches Kapital

⇒ Durch EU-Maßnahmen wurde die Umweltverschmutzung reduziert, die Luft- und Wasserqualität in Europa hat sich deutlich verbessert. Die anhaltende Verschlechterung des Ökosystems bedroht indes die Wirtschaftsleistung Europas und das Wohlbefinden seiner Bürger.

⇒ Die biologische Vielfalt nimmt immer weiter ab. Der Erhaltungszustand zahlreicher geschützter Arten und Habitate gilt als ungünstig, dies belegen 60 % der Untersuchungen zu geschützten Arten und 77 % der Habitatsuntersuchungen. Europa befindet sich in Bezug auf das Ziel, den Biodiversitätsverlust bis 2020 aufzuhalten, nicht auf Kurs.

⇒ Die Süßwasserqualität hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, dennoch wird etwa die Hälfte aller europäischen Binnengewässer mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2015 keinen „guten ökologischen Zustand“ erreichen.

⇒ Die biologische Vielfalt in Meeres- und Küstenregionen gibt besonderen Anlass zur Besorgnis. Zu den Belastungen zählen die Schädigung des Meeresbodens, Verschmutzung, invasive gebietsfremde Arten und Versauerung. Die Überfischung im Atlantik und in der Ostsee ist zurückgegangen, im Mittelmeerraum hat sich die Lage jedoch verschlechtert: Im Jahr 2014 waren 91 % der untersuchten Bestände überfischt.

⇒ Im Jahr 2012 wurden weniger als 6 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Europa für den ökologischen Landbau verwendet – mit großen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern.

Ausblick: Durch die Auswirkungen des Klimawandels werden sich Belastungen und Auswirkungen voraussichtlich intensivieren. Es wird erwartet, dass die zugrundeliegenden Triebkräfte des Biodiversitätsverlusts fortbestehen.

Ressourceneffizienz

⇒ Im Jahr 2007 betrug der Verbrauch landeseigener Ressourcen 16,7 t pro Person. Dieser Wert sank bis 2012 auf 13,7 t. Dies ist zum Teil auf den Konjunktureinbruch in der Bauwirtschaft in einigen Ländern zurückzuführen.

⇒ Die Abfallwirtschaft hat sich in den letzten Jahren verbessert: Das Abfallaufkommen ist gesunken, und weniger Abfälle wurden auf Deponien gelagert. Die Recyclingquoten von 21 Ländern haben sich im Zeitraum 2004-2012 verbessert, während die Quoten für die Abfalllagerung auf Deponien von 27 der 31 Länder, für die Daten verfügbar sind, gesunken sind. Gegenüber 22 % im Jahr 2004 erzielten die EUA-Länder im Jahr 2012 eine durchschnittliche Recyclingquote von 29 %.

⇒ Trotz einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 45 % seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen um 19 % zurückgegangen. Die Nutzung fossiler Brennstoffe ist rückläufig, ebenso wie die Emissionen einiger Schadstoffe aus Verkehr und Industrie.

⇒ Die Finanzkrise im Jahr 2008 und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben ebenfalls zu einem Rückgang einiger Umweltbelastungen beigetragen. Es wird sich zeigen, ob diese Verbesserungen nachhaltiger Natur sind.

Die derzeitigen Politikziele sind nicht ausreichend, um Europa ein Erreichen seiner langfristigen Umweltziele zu ermöglichen, z. B. die Senkung der Treibhausgasemissionen um 80-95 %.

Gesundheit und Wohlbefinden

⇒ Durch umweltpolitische Maßnahmen konnten die Qualität des Trinkwassers sowie von Badegewässern verbessert und die Exposition gegenüber den wichtigsten gefährlichen Schadstoffen verringert werden.

⇒ Luft- und Lärmbelastung verursachen in städtischen Gebieten auch weiterhin ernste gesundheitliche Schäden. Im Jahr 2011 wurden etwa 430 000 vorzeitige Todesfälle in der EU auf Feinstaub zurückgeführt, während die Exposition gegenüber Lärm jährlich mindestens 10 000 vorzeitige Todesfällen aufgrund von Herzerkrankungen bedingt.

⇒ Es wurde ein Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Einsatz von Chemikalien, insbesondere in Konsumgütern, und einer beobachteten Zunahme hormonell bedingter Erkrankungen und Störungen beim Menschen festgestellt.

⇒ Die geplanten Verbesserungen der Luftqualität werden voraussichtlich nicht ausreichen, um anhaltende Schäden zu vermeiden, während gleichzeitig von einer Verschärfung der Auswirkungen des Klimawandels ausgegangen wird.

⇒ Im Zeitraum 2000-2011 ist der Umweltsektor um mehr als 50 % gewachsen und zählt damit zu den wenigen Sektoren, die seit der Finanzkrise im Jahr 2008 in Bezug auf Einnahmen und Arbeitsplätze einen Aufschwung verzeichnen konnten.

(Siehe auch: Längst nicht alles Grün)

(Quelle: www.eea.europa.eu/soeren / Foto: © GATEUROPE)

gateurope-2015-03-22 18:44:16