Maedchen auf Schiffsschaukel

Solidaritätskorps für Jugendliche kommt voran

Um jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren bessere Chancen zu geben, sich in die Gesellschaft einzubringen und ihre Solidarität etwa mit Armen, Opfern von Naturkatastrophen oder Flüchtlingen zu zeigen, gab die EU-Kommission im Dezember 2016 den Startschuss für ein Europäisches Solidaritätskorps. Die Besetzung von Tausenden Arbeitsstellen und Praktika im Rahmen des Korps hat am Montag (10. Juli 2017) mit dem Start von zwei großen Projekten der französischen und der italienischen Arbeitsverwaltungen nun weiter an Fahrt aufgenommen.

Seit dem Startschuss am 7. Dezember 2016 haben sich mehr als 32.000 junge Menschen beim Europäischen Solidaritätskorps angemeldet. Im März 2017 konnte mit der Vermittlung an Projektträger begonnen werden. Seither wurden über 11.000 Mitglieder kontaktiert, und 350 Einsätze wurden erfolgreich vermittelt. Bis Ende 2020 sollen sich insgesamt 100.000 junge Menschen dem Europäischen Solidaritätskorps anschließen.

Die EU-Kommission fördert die beiden Projekte mit dem Ziel, bis 2019 bis zu 6000 jungen Menschen Angebote für eine Arbeitsstelle oder ein Praktikum mit Solidaritätsbezug in einem anderen EU-Land zu machen. EU-weit werden 100.000 Solidaritätseinsätze bis 2020 angestrebt. Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, lotete am Montag in Berlin bei einer gemeinsam Veranstaltung der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland mit „Jugend für Europa“, einer der vier nationalen Agentur für das EU-Programm Erasmus+, mit Akteuren, Trägern und Organisationen von Freiwilligendiensten und Politikern die weitere Gestaltung des Europäischen Solidaritätskorps aus.

Im Rahmen der beiden Projekte unter der Leitung der öffentlichen Arbeitsverwaltung Frankreichs (Pôle Emploi) und der nationalen Agentur Italiens für aktive Arbeitsmarktpolitik (ANPAL) arbeiten öffentliche Arbeitsverwaltungen und Organisationen aus verschiedenen EU-Mitgliedstaaten (z. B. Arbeitgeberverbände und Berufsbildungseinrichtungen) zusammen, um jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren Angebote für Praktika und Arbeitsstellen anzubieten.

Die ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber können sich in den verschiedensten Bereichen engagieren: vom Gesundheitswesen und der sozialen Integration über den Umweltschutz und die Unterstützung von Migranten und Flüchtlingen bis hin zur Nahrungsmittelhilfe in anderen EU-Ländern. Die Projekte werden mit über 14 Mio. Euro aus dem Programm für Beschäftigung und soziale Innovation gefördert.

Haushaltskommissar Oettinger diskutierte mit rund 120 Teilnehmern am Montag in Berlin unter anderem die Zielsetzung des Europäischen Solidaritätskorps, Erwartungen an die Initiative, die Verbindung zu Erasmus+ JUGEND IN AKTION sowie zum Europäischen Freiwilligendienst. Oettinger sagte: „Das Projekt Europa hat die Aufgabe, zwischen unterschiedlichen Teilnehmern Solidarität zu ermöglichen.“

Oettinger sieht die Entwicklung des Solidaritätskorps in drei Phasen: die gegenwärtige Phase 1, mit 35.000 Bewerberinnen und Bewerbern, Phase 2 ab dem 1. Januar 2018, wenn die Gesetzgebung zum Solidaritätskorps, die die Kommission im Mai angestoßen hat, in Kraft tritt und eine dritte Phase im nächsten Jahrzehnt, in der Oettinger im künftigen Budgetzyklus einen eigenständigen Haushaltstitel für das Europäische Solidaritätskorps verankern möchte.

Auf die schnelle Umsetzung von der Idee in die Realisierungsphase machte Richard Kühnel, der Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland aufmerksam: „Das Solidaritätskorps ist eine sinnvolle Ergänzung zum Bildungsprogramm Erasmus+, etwas europäisch Verbindenderes als das Korps wird es kaum geben. Der Startschuss für das Programm ist ein positives Signal für weitere nachhaltig wirksame Initiativen zur Entwicklung eines europäischen Wir-Gefühls.“

Von solchem solidarischen Engagement „brauchen die Welt und die Europäische Union mehr“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. „Für mich ist dies das Herzstück der Europäischen Union: Nicht die Verträge oder industrielle und wirtschaftliche Interessen verbinden uns, sondern unsere Werte. Und alle, die als Freiwillige arbeiten, erfüllen diese europäischen Werte tagtäglich mit Leben“, so Juncker, der das Korps im September in seiner Rede zur Lage der EU angekündigt hatte.

Ab dem Alter von 17 Jahren können sich EU-Bürgerinnen und Bürger für das Solidaritätskorps registrieren. Sie bieten damit an, zwischen zwei und zwölf Monate für eine von der EU geprüfte und anerkannte Hilfsorganisation, eine lokale oder nationale Behörde oder ein Unternehmen Freiwilligenarbeit zu leisten, dort ein Praktikum oder eine Ausbildung zu absolvieren oder eine befristete, bezahlte Stelle anzutreten. Der Einsatz für das Gemeinwesen wird durch ein Zertifikat bescheinigt.

(Quelle: EU-Kommission / Foto: gateurope)

gateurope.de_2017-07-10 14:50:09