Kirche St. Maria dell' Ammiraglio in Palermo

Vier Stätten haben es auf die UNESCO-Liste geschafft

Das UNESCO-Welterbekomitee hat am Freitag. den 3. Juli 2015, auf seiner 39. Sitzung in Bonn vier neue Stätten in die Liste des Welterbes aufgenommen. Zu den neuen Kulturerbestätten gehören das arabisch-normannische Palermo und Kathedralen von Cefalù und Monreale in Italien, die Taufstätte „Bethanien jenseits des Jordans“ in Jordanien und die Felszeichnungen in Ha’il in Saudi-Arabien.

Erstmals in die Welterbeliste aufgenommen wurde Jamaika mit der Kultur- und Naturstätte Blue and John Crow Mountains. Zwei Naturerbestätten wurden erweitert: Schutzregion Cape Floral in Südafrika und der Nationalpark Phong Nha – Ke Bang in Vietnam. Das Welterbekomitee diskutiert in den nächsten Tagen weitere Vorschläge für die Welterbeliste. In diesem Jahr sind 36 Stätten nominiert.

Drei neue Kulturerbestätten:

Italien: Arabisch-normannisches Palermo und Kathedralen von Cefalù und Monreale

Das arabisch-normannische Palermo und die Kathedralen von Cefalù und Monreale repräsentieren das baukulturelle Erbe des Königreichs Sizilien. Palermo war von 1130 bis 1194 die Hauptstadt dieses multikulturellen Königreiches. Die normannischen Herrscher verwoben bei ihren Kirchen- und Schlossbauten die Stilelemente aus Morgenland und Abendland und schufen damit eine neuartige und unvergleichliche Architektur.

Zu den Juwelen dieser Baukunst zählen neben den Kathedralen von Palermo, Cefalù und Monreale der Königspalast in Palermo und die Cappella Palatina, das Schloss Zisa, die Kirchen San Giovanni degli Eremiti, Santa Maria dell’Ammiraglio (unser Foto oben) und San Cataldo sowie die Ponte dell’Ammiraglio. Der arabisch-normannische Stil hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der mittelalterlichen Architektur in Süditalien und im Mittelmeerraum.

Jordanien: Taufstätte „Bethanien jenseits des Jordans“ (Al-Maghtas)

Die historische Siedlung Bethanien liegt zwei Kilometer östlich des Jordans, etwa 50 Kilometer vor der jordanischen Hauptstadt Amman. Laut biblischer Überlieferung ist sie der Wohn- und Wirkungsort Johannes des Täufers. Bethanien liegt am Fuße eines Hügels, der bereits in vorchristlicher Zeit als heiliger Ort galt: Hier soll einst der Prophet Elias in den Himmel gefahren sein. Gleichzeitig liegt Bethanien auf der antiken Pilgerroute von Jerusalem zum Berg Nebo.

Die Ausgrabungen in der Region zählen zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des heutigen Jordaniens. Zwischen der historischen Siedlung und dem Fluss wurde auch eine große Kirche aus spätbyzantinischer Zeit entdeckt. Es wird vermutet, dass das Gotteshaus am Flussufer den Taufort Jesu markieren sollte. Nach dem Evangelium des Johannes war Bethanien der Ort, an dem die Jordan-Taufe des Jesus von Nazareth stattgefunden hat.

Saudi-Arabien: Felszeichnungen in Ha’il

Im Nordwesten der Provinz Ha’il am Rande der Wüste Nefud befinden sich die beiden größten und reichhaltigsten Fundorte von Felsbildern auf der arabischen Halbinsel. In den Sandsteinfelsen des Jabal Umm Sanman entdeckten Archäologen 490 Fundstellen mit über 4.000 Felszeichnungen. Die Felsbilder zeigen Darstellungen von Menschen und
Tieren, Jagdszenen, abstrakte Malereien und Inschriften.

Sie stammen aus vier Siedlungsphasen während der Jungsteinzeit, der Bronze- und Eisenzeit sowie aus frühislamischer Zeit. Die ältesten Bilder werden Beduinen zugeschrieben, die vor etwa 10.000 Jahren in Jubbah lebten, als dort noch ein großer Binnensee existierte. Die Schutzzone rund um den Jabal Umm Sanman umfasst mehr als 24 Quadratkilometer. Die zweite bedeutende Fundstätte ist das archäologische Schutzgebiet Shuwaymis mit einer der größten und außergewöhnlichsten Sammlungen von Tierzeichnungen. Auf mehreren hundert Felsbildern sind Kamele, Gazellen, Leoparden, Pferde, Hunde und Auerochsen zu sehen.

Ein Natur- und Kulturerbe:

Jamaika: Blue and John Crow Mountains

Die Blue Mountains sind die höchste Bergkette Jamaikas mit Gipfeln über 2.200 Metern. Zusammen mit den angrenzenden John Crow Mountains bilden sie den größten Nationalpark des Landes, der etwa ein Fünftel der Gesamtfläche der karibischen Insel einnimmt. Die Blue Mountains gehören aufgrund der außergewöhnlich hohen Anzahl endemischer Arten zu den globalen Hotspots der Biodiversität. In dem tropischen Bergregenwald gedeihen seltene Baumarten, Moose, Farne, Bromelien und Orchideen. Auch viele Amphibien-, Vogel- und Säugetierarten, die weltweit als bedroht gelten, leben hier.

Der WWF zählt die Blue Mountains zu den „Global 200 priority ecoregions“ – den biologisch wertvollsten Lebensräumen der Erde. Aber auch in kultureller Hinsicht haben die Blue Mountains große Bedeutung. Sie sind eng verbunden mit der Geschichte der Maroons und ihrem Freiheitskampf gegen die
Sklaverei. In den unzugänglichen Bergwäldern organisierten die Maroons ihren Widerstand gegen die britische Kolonialmacht. Seit 2008 ist das Erbe der Maroons als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Die Blue and John Crow Mountains ist die erste jamaikanische Stätte, die in die Welterbeliste aufgenommen wurde.

Zwei Naturerbestätten wurden erweitert:

Südafrika: Schutzregion Cape Floral

Die Schutzregion Cape Floral wurde 2004 wegen ihres außergewöhnlichen Pflanzenreichtums als Weltnaturerbe anerkannt. 69 Prozent der geschätzten 9.000 Pflanzenarten in der Region sind endemisch. Cape Floral ist als einer der 35 wichtigsten terrestrischen Biodiversitäts-Hotspots der Welt anerkannt. Die Schutzregion hat zudem wissenschaftliche Bedeutung für die Erforschung biologischer und ökologischer Prozesse.

Durch die Entscheidung des Welterbekomitees erweitert sich das als Weltnaturerbe ausgewiesene Gebiet auf eine Gesamtfläche von mehr als einer Million Hektar. Dadurch soll ein noch besserer Schutz der endemischen Pflanzenwelt und insbesondere der Vegetation von Hartlaubgewächsen (Fynbos) sichergestellt werden. Die Fynbos-Vegetation in Cape Floral ist weltweit einzigartig.

Vietnam: Nationalpark Phong Nha-Ke Bang

Der Nationalpark Phong Nha-Ke Bang liegt in Zentralvietnam direkt an der Grenze zu Laos. Er gehört seit 2003 zum Weltnaturerbe. Die Karstformation des Nationalparks hat sich seit dem Paläozoikum – vor etwa 400 Millionen Jahren – entwickelt und ist die älteste bedeutende Karstregion in Asien. In dem weitgehend von tropischem Wald bedeckten Karstgebiet gibt es ausgedehnte Höhlensysteme mit Hunderten von Grotten und lange unterirdische Flüsse.

Der Nationalpark ist Lebensraum vieler seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Durch die Erweiterung der Naturerbestätte von bislang 85.000 auf nunmehr über 126.000 Hektar sollen zusätzliche intakte Ökosysteme und wichtige Wassereinzugsgebiete in die Schutzzone integriert werden.

(Quelle: UNESCO / Foto: UNESCO © CRICD)

gateurope-2015-07-04 10:00:46