Wölfe im Bayerischen Wald

WWF: „Wilderer haben es in Deutschland leicht“

Wilderei auf bedrohte Tierarten ist nicht nur ein Problem in Afrika oder Asien, sondern auch in Deutschland. Darauf weist die Naturschutzorganisation WWF anlässlich einer neuen Fernsehdokumentation hin, die kürzlich in der ARD ausgestrahlt wurde und auf einer einjährigen Recherche des MDR und des Journalisten Bastian Schlange von CORRECTIV beruhen.

Die Journalisten deckten auf, dass heimische Reptilen, Amphibien und sogar Singvögel von illegalen Tierhändlern und Schmugglern im großen Stil bedroht werden. Hinzu kommen laut WWF immer wieder spektakuläre Fälle. So wurden allein in Sachsen innerhalb der vergangenen Jahre nachweislich sieben Wölfe illegal erschossen.

Luchse verschwinden spurlos

Im Bayerischen Wald verschwinden regelmäßig Luchse in einem „Bermudadreieck“ jenseits der Nationalparkgrenzen. Auch Greifvögel werden zu hunderten Opfer von illegalen Abschüssen. Zudem plündern Wilderer regelmäßig Eier aus deren Nestern.

Hierzu gibt es nur in drei Bundesländern überhaupt Daten und Erkenntnisse, und zwar für Nordrhein-Westfalen und Brandenburg und Bayern.

„Wilderer und illegale Artenschmuggler haben in Deutschland leichtes Spiel. Täter werden fast nie ermittelt und selbst wenn, kommt es viel zu selten zu Verurteilungen“, kritisiert WWF-Sprecher Roland Gramling. Deutschland habe bei der Verfolgung von Naturschutzkriminalität großen Nachholbedarf.

Spezialeinheiten müssten gegründet werden

Die Bundesländer müssten endlich bei den zuständigen Landeskriminalämtern Spezialeinheiten für Umwelt- und Artenschutzkriminalität etablieren. Derzeit gibt es nur in NRW eine derartige Stabsstelle. Zudem fehle eine zentrale Auswertung für artenschutzrechtliche Verstöße.

„Zu Eigentums- oder Verkehrsdelikten gibt es Statistiken und eine entsprechende Erfassung und Auswertung. Aber bei illegalen Tötungen von geschützten Tierarten sind wir weitgehend blank. Verlässliche Zahlen gibt es kaum. Dabei sind illegale Abschüsse von bedrohten Tierarten keine Kavaliersdelikte, sondern Verbrechen“, kritisiert Gramling.

Überforderte Polizei

Während in Ländern wie Österreich (Bundeskriminalamt), Italien (Sondereinheit der Forstpolizei) und den USA (fish and wildlife service) Wilderei-Delikte von speziell ausgebildeten und ausgerüsteten Sondereinheiten verfolgt wird, ist in Deutschland die örtliche Polizeibehörde meist auf sich alleine gestellt.

Ohne spezifische fachliche Ausbildung und Routine ist ein Aufklären derartiger Delikte schwer möglich.

(Quelle: OTS / WWF / Foto: © Tourismusmarketing Bayerischer Wald)

gateurope-2015-08-04 17:10:46